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Auch wenn in Großbritannien über die Gleichberechtigung im Ballett diskutiert wird: Spätestens wenn es an die kraftraubenden Hebefiguren geht, kann der Tanz dem Geschlechterunterschied nicht entkommen.
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Auch wenn in Großbritannien über die Gleichberechtigung im Ballett diskutiert wird: Spätestens wenn es an die kraftraubenden Hebefiguren geht, kann der Tanz dem Geschlechterunterschied nicht entkommen.

Times mager

Sexismusdiskussion erreicht das Ballett

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Die Briten diskutieren, ob das Ballett der Gleichberechtigung hinterherläuft. So weit muss es allerdings nicht kommen.

Am ungeheuerlichsten ist zweifellos die Verwandlung argloser junger Frauen in Wasservögel. Was haben sie diesem Mann – er heißt Rotbart, das sagt doch eigentlich schon alles – getan, dass sie in kaltem Wasser rumschwimmen müssen. Und Jahr um Jahr warten, bis einer kommt und sie erlöst. 

Spaß beiseite. Noch möchte niemand „Schwanensee“-Aufführungen wegen Sexismus verbieten. Aber es gibt doch in Großbritannien plötzlich eine kleine, wichtige Diskussion darüber, ob nicht die Kunstform Ballett der Gleichberechtigung schwer hinterherläuft. Anlass sind einige – neue! – Stücke des Royal Ballet, in denen Frauen verniedlicht werden oder ihnen Gewalt angetan wird. Der quasi letzte Tropfen war das gerade uraufgeführte „The Wind“ von Arthur Pita, in dem die zentrale Szene eine Vergewaltigung ist. Es folgte auf ein Stück, in dem die zentrale Szene eine Vergewaltigung ist. 

Dicke Bücher sind schon geschrieben worden über die Zurichtung der Frau im klassischen Ballett, die vor allem lange Beine auf (bzw. unter) dem Präsentierteller des Tutus zu sein hat. Der Ausdruckstanz und Modern Dance waren vor allem Bewegungen sich dagegen wehrender Frauen. Zuallererst flogen die Spitzenschuhe in den Müll. Dann kamen die so genannte Neoklassik und die dekonstruierte Klassik eines William Forsythe.

Der revolutionierte in seinen frühen Werken auch den Spitzentanz, seine kippenden Körper und virtuosen Bewegungswirbel forderten in hohem Maße athletische Tänzerinnen. Im Miniröckchen steckten sie nicht. Viele zeitgenössische Choreografen schreiben ihren Tänzerinnen und Tänzern inzwischen in Ensembleszenen die genau gleichen Bewegungsfolgen zu. Oft gibt es auch einheitliche Kostüme. 

Andererseits kann der Tanz dem Geschlechterunterschied nicht entkommen, sobald es in die kraftraubenden Hebefiguren geht. Andererseits sind manche klassischen, den Schritt trotz Höschen ja gleichsam präsentierenden Posen und Positionen immer noch weitgehend den Frauen vorbehalten.

Die Arabesque penché zum Beispiel, bei der die Ballerina den Oberkörper nach vorne neigt bei größtmöglicher Spreizung der Beine. Und bei der Extension, dem Heben eines Beines bis möglichst unmittelbar neben den Kopf, erwähnt das Ballettlexikon: „Eine gute Extension zu haben, ist im klassischen Ballett besonders für die Frauen wichtig.“ 

Allemal muss man sich fragen, warum das so ist. Immer noch und auch in zeitgenössischen Werken. Auch die britischen Kritiker sagen: Alles muss Thema eines Tanzstücks sein dürfen. Aber ein Nachdenken über geschlechtsspezifische Bewegungsmuster wäre sinnvoll. 

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