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Marcel Prousts "In Swanns Welt"  - hier eine Erstausgabe, die bei Sotheby's in Paris versteigert wird - bekam glänzende Kritiken. Kein Wunder.
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Marcel Prousts "In Swanns Welt" - hier eine Erstausgabe, die bei Sotheby's in Paris versteigert wird - bekam glänzende Kritiken. Kein Wunder.

Times mager

Das Selbstlob des Meisters

Die vermaledeite Langlebigkeit von Papier bringt's an den Tag: Der französische Schriftsteller Marcel Proust hat für gute Kritiken bezahlt oder Rezensionen gleich selbst geschrieben.

Offensichtlich ist es vorzüglich, wenn man sein eigenes Werk selbst rezensieren kann. Man kennt es schließlich am besten, hat wesentliche, sämtliche Zusatzinformationen zum Autor, kennt dessen Bildungshorizont und Intention, Vorarbeiten und weiteren Pläne. Und findet auch Zitate leicht wieder. Man hat den Text halt intus. 

Überhaupt sind positive Rezensionen positiver als negative. Ein berühmtes Beispiel ist die Rezension, die Friedrich Schiller über „Die Räuber“ von Friedrich Schiller schrieb, ein quicklebendiges Stück Analyse. Das Selbstlob ist nicht übermäßig peinlich und auch ironisch gebrochen. Schiller veröffentlichte den aus Redakteurssicht schamlos langen Text anonym, musste aber nicht im Boden versinken, wenn der Verdacht auf ihn fiel. 

 Auch Marcel Proust handhabte es so, wie die Agentur afp nun berichtet. Dass er über seinen Roman „In Swanns Welt“ schrieb, er sei „ein kleines Meisterwerk“ und der Stil „fast zu leuchtend für das Auge“, geht freilich nicht ohne weiteres als analytisch durch. Dafür war Proust auch mehr auf Diskretion erpicht. Die selbstverfassten Kritiken ließ er der afp zufolge in seinem Verlag abtippen, damit niemand auf den Autor rückschließen konnte. „So wird es keine Spur von meiner Handschrift geben.“ Zudem werde er sich, so Proust demnach, „absolut von dem Geld, das den Besitzer wechseln wird“, distanzieren. 

Ja, also, Proust schrieb nicht nur die Kritiken selbst, sondern zahlte auch dafür, dass sie an prominenter Stelle gedruckt wurden. Eine prominente Stelle für Buchbesprechungen war seinerzeit die Titelseite. 300 Francs (heute etwa 1000 Euro, wie die afp dankenswerterweise errechnet hat) kostete es ihn, seine Rezension seines Buches auf der Seite 1 von „Le Figaro“ zu lesen, 660 Francs kostete ihn die gleiche Platzierung im „Journal des débats“. Finanziell machbar. Überflüssig zu sagen, dass das keine nachhaltige Aussage über den ehemaligen Rang des Feuilletons ermöglicht und, wie man sieht, auch der Zunft der wackeren Buchrezensenten nichts nutzte. Ginge es hier um Sondermüll oder Immobilien, würde man von Korruption sprechen. 

An dieser Stelle wird die Affäre im übrigen natürlich genauso peinlich für Journalisten wie für Schriftsteller. Aber beiden Berufsgruppen ist eben auch ein gewisser (und professionell erforderlicher) Mitteilungsdrang zu eigen. Man fragt sich insofern, ob es nicht auch in Prousts Interesse besser gewesen wäre, er hätte mittels eines jammervoll veralteten Klappmobiltelefons eine SMS gesendet. Wohin man schaut, immer wieder die vermaledeite Langlebigkeit von Papier.

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