Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

„Zu was soll ich denn eine weitere Nacht verschwenden, wenn mich das Studium anödet?“, antwortete der junge Mensch.
+
„Zu was soll ich denn eine weitere Nacht verschwenden, wenn mich das Studium anödet?“, antwortete der junge Mensch.

Times mager

5 Sekunden

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
    schließen

Wenigstens einmal drüber schlafen, bevor du dich entscheidest: Schwieriger, als es klingt.

Schlaf noch mal drüber, sagten einst ältere und darum auch weisere Menschen zu den jungen, schlaf noch mal drüber, ehe du das Studium schmeißt, Ts Heiratsantrag annimmst, diesen alten Käfer kaufst (er wird dir mitten auf der Fahrt nach Paris zusammenbrechen, glaub mir), dich um einen Job bewirbst, den du gar nicht haben willst. Schlaf noch mal drüber, besonders über jeden Brief, den du im Zorn geschrieben hast.

Zu was soll ich denn eine weitere Nacht verschwenden, antwortete der junge Mensch, wenn mich das Studium anödet, B so unheimlich süß ist und der Käfer so sommerwiesengrün, ich endlich mal Geld verdienen kann. (Außerdem werde ich eh nicht schlafen können, ich bin viel zu frustriert/verliebt/ins Sommerwiesengrün verliebt/frustriert.) Und was den Brief betrifft: Da habe ich jetzt drei Stunden dran gesessen, das muss genügen. Was meint ihr, liebe Eltern, wie das in ein paar Jahrzehnten zugehen wird, wenn es erst mal Twitter gibt. Da wird jeder und jede jeden und jede in Sekundenschnelle beleidigen können. Und es auch tun.

Letzteres hat der junge Mensch natürlich nicht gesagt, denn der junge Mensch konnte gar nicht wissen, dass es mal ein Vögelchen geben würde, das jedem die Möglichkeit gibt, im Sauseschritt bzw. mit einem Flügelschlag das eigene Leben zu ruinieren.

Das blaue Vögelchen hat Nutzerinnen und Nutzer vor einiger Zeit gefragt, was für Funktionen sie sich noch wünschten. Dabei kam heraus, dass viele „Unruhe“ fühlen, dass Twitter ihnen keine Möglichkeit gibt, bereits geschickte Tweets zu verändern, was soviel heißt wie: bereuen. Da tippt man zum Beispiel „T ist blöd und nie schraubt er die Zahnpasta zu“ (ja, man hat den Heiratsantrag damals angenommen, ja, man wird sich demnächst scheiden lassen, ganz bestimmt), tippt „send“, bereut auf der Stelle das mit der Zahnpasta, denn klingt das nicht furchtbar kleinlich, man möchte es zurücknehmen – Pech gehabt.

Nun gibt es immerhin die „Undo“-Funktion. Für fünf Sekunden. In Worten: 5 Sekunden. Moment, einen Au- ... einundzwanzig ... genblick, will ich den Ein- ... zweiundzwanzig ... druck vermitteln, dass ich ... dreiundzwanzig ... mich über Zahn- ... vierundzwanzig ... pastatuben aufrege? Fünfundzwanzig!

Da ist es schon zu spät. Der nicht mehr junge Mensch kann zwar auch nach Jahren noch feststellen, dass es nun doch zu spät ist, obwohl es angeblich für manches nie zu spät ist. Aber für Twitter und andere Beleidigungsmedien würde das Times mager dringend eine Schlaf-drüber-Funktion empfehlen, wir denken da an acht Stunden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare