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Times Mager

Sektlaune

  • Harry Nutt
    VonHarry Nutt
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"Haben wir eine Chance?" Die beiden Geschäftsleute in der Werbung wollen auf ihre Geschäftsaussichten anstoßen: "Eigentlich nicht!" rufen sie lächelnd. Die Gläser lassen sie dennoch klingen. Von Harry Nutt

Die Kunst der Werbung besteht nicht zuletzt im Ausbalancieren von Stimmungen. Vor ein paar Jahren fiel die leichte Veränderung einer TV-Reklame auf, die als dezente Anpassung an ökonomisch stürmische Zeiten gedeutet werden konnte. Zwei Männer, in leichter Rückenlage an die Fensterfront eines Aussichtlokals gelehnt, stießen da auf ihre Geschäftsaussichten an, die sie nicht ohne Schwindelgefühle befragten.

"Haben wir eine Chance?" Die Antwort gaben sie sich gleich selbst: "Eigentlich nicht!" riefen sie lächelnd, als käme es darauf an, den Geist schlechter Bilanzen frühzeitig zu bannen. Die Werbung, so ließ sich der Spot deuten, arbeitet mit ironischem Gespür für kritische Lagen sowie Auf- und Abstiegsfantasien.

Der Spot wurde bald jedoch neu synchronisiert. Die hedonistische Gelassenheit im Umgang mit den schlechten Prognosen beantworteten die Unternehmerdarsteller in der Neufassung mit der ins Ernste gewendeten Gegenfrage: "Warum nicht?"

Inzwischen wird nicht bloß in der Werbung nachsynchronisiert. Das neue Werk des Philosophen Peter Sloterdijk ("Du musst Dein Leben ändern", Suhrkamp) lässt sich im Sinne einer mentalen Neujustierung lesen. Statt eines Wettlaufs um die nächsten Boni empfiehlt er einen anthropologischen Mehrkampf, der Disziplinen umfasst wie Akrobatik, Ästhetik, Administrativik und Meditation - eine "offene Liste kultivierungsfähiger Aktivitäten, deren Offenheit die Unabschließbarkeit des disziplinenbildenden und damit Subjektivierungen ermöglichenden Feldes selbst bedeutet". Warum nicht? könnte man analog zur Sektreklame fragen.

Gedanken zur Wirtschaft hat sich unterdessen auch Martin Walser gemacht, der die gegenwärtige Flut schlechter Prognosen mit einiger Altersgelassenheit kontert. "Diese Krise ist ein Produkt des Systems und das System wird daraus lernen und es wird danach besser sein, als es vorher war", sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

Eben dort findet sich auch ein Hinweis, dass die Deutschen dabei sind, sich bis auf weiteres zu wappnen. Im vergangenen Jahr haben sie wieder mehr Sekt und Schaumwein getrunken. Der Inlandsabsatz war 2008 mit 319 Millionen Litern so hoch wie seit 2001 nicht mehr.

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