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Worin besteht die Wirklichkeit von weiß? Angefangen bei Girke.

Times mager

Sein Hattrick

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Kunstkritik als eine Form der Aufklärung, und keine Aufklärung ohne Selbstaufklärung.

Unumgänglich der Eindruck: Engagement, Enthusiasmus, Expertise, sobald man nur einen Text von Peter Iden liest, und jetzt sind es über fünfzig, die von ihm versammelt worden sind unter dem Titel „Die Macht der Bilder“. Der Wienand Verlag hat das Buch gedruckt auf feinem Papier, Ingrid Mössinger und Anja Richter haben es zusammengestellt.

Engagement, Enthusiasmus, Expertise also – und dabei geht es nicht um eine Alliteration, vielmehr um eine Dreiheit, die aus Peter Idens Texten zur Kunst der Gegenwart spricht, die ein Lebenswerk aus sechs Jahrzehnten veranschaulichen, von 1962 an bis heute, in der Mehrzahl aus der FR, für die FR, dabei immer im Spiel Neugier.

Was ist da? Warum? Und was heißt schon weil? Schwierig. Denn da war ja ein Anfang, an dem die Welt wüst war. Leer auch? Sicher, es gab die Traditionen, an die sich anknüpfen ließ, die klassische Moderne, sie lag am nächsten. Doch um einen Neuanfang ernst zu nehmen, intellektuell und moralisch, war am Anfang so etwas wie das weiße Blatt. Nicht von ungefähr fragte Peter Iden Anfang der 60er Jahre: „Was sind und was sollen weiße Bilder?“

Ungezählte weiße Blätter hat P. I. für die FR in die Schreibmaschine eingespannt – einige auch, um sich 1966 an die Bildwelten Raimund Girkes heranzutasten: „Sie haben, scheint es, wenig zu bieten. Kein Motiv, keine Anekdote, keinen Appell, keinen Abendhimmel, kein Farbenspiel – sind nicht einmal irgendwelche Aufzeichnungen von vorgeblich Psychischem. Weißen Bildern wie denen, die Raimund Girke etwa seit 1958 zeigt, fehlt es an Welt.“

Was ist Welt, was Wirklichkeit? Diesen Fragen immer wieder neu nachgehen, früh schon bei Joseph Beuys, dann bereits bei Arnulf Rainer, bis heute, etwa bei Gerhard Richter, um deren Werke zu befragen – und das heißt ja: sich selbst zu befragen. Kunstkritik als eine Form der Aufklärung, und keine Aufklärung ohne Selbstaufklärung.

Nicht die einzige Frage dabei: Worin besteht die Wirklichkeit von weiß? Angefangen bei Girke. Und nicht nur bei Scully, hier und da, abgetönt, eingedunkelt. Auch sind das die Weißmaler als Schwarzseher. Dagegen der zarteste Weißmaler überhaupt, Gotthard Graubner.

Im Anfang der Gegenwart nach 45 war ein Neubeginn, der sich auf vieles neu verständigen musste. Es war eine Form der Vergangenheitsbewältigung, die sich nur bewältigen ließ durch: Parteinahme, Begeisterung, Kennerschaft - Engagement, Enthusiasmus und Expertise.

Eine Alliteration, sicher. Aber man könnte auch Hattrick sagen, Dreierpack eher nicht. Aber Triptychon.

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