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Wie der Hund, so das Herrchen: kläffende Männer in der Öffentlichkeit.

Times mager

Sein Baby

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Ein junger Mann schreit auf der Frankfurter Zeil in sein Handy. Sein Kampfhund schlenkert mit dem Kopf dazu. Hinter der Szene steckt die Frage, wie Männer mit Frauen so reden. Schön ist das nicht immer.

Mitten auf der menschenwimmelnden, sonnenbeschienenen Zeil schreit ein junger Mann in sein Handy, sein Kampfhund schlenkert indessen mit dem Kopf, tappt nach rechts, tappt nach links. Wenn du jetzt da wärst, schreit der kräftige junge Mann in sein Handy, dann würde ich dich schlagen. So was von schlagen würde ich dich, ich sag’s dir. Als er kurz Luft hören muss, kann man ein Quäken hören; viel spricht dafür, dass das am anderen Ende eine Frau ist, verständlicherweise panisch. Ich sag’s dir ehrlich, schreit er da wieder, schlagen würd’ ich dich, schlagen. Das Wort hat es ihm offenbar angetan, er wiederholt es noch ein paar Mal. Passanten schauen hastig hin und wieder weg. Ein anderer junger Mann dreht sich im Vorbeigehen halb zu ihm, grinst.

Sollen sich nicht so anstellen, die Schlampen

Nach dem Twitter-#Aufschrei, ausgelöst durch eine Anzüglichkeit des Politikers Rainer Brüderle und dann doch recht schnell wieder eingeschlafen, gibt es seit kurzem, seit in den USA ein junger Mann Amok gelaufen ist (schon wieder ein junger Mann Amok gelaufen ist), einen Frauen-Aufschrei, diesmal mit dem Hashtag #yesallwomen benannt. Es ballen sich dort, wie immer in solchen Foren, das Banale und das Berührende, die Witzelei und die Wut. Männer outen sich als Feministen. Männer protestieren milde, dass sie sich verunglimpft fühlen. Und ja, ein paar Männer schreien per Twitter ihren Hass und ihre Herrlichkeit heraus, wie der Telefonierer auf der Zeil. Sollen sich nicht so anstellen, die Schlampen.

Eine #yesallwomen-Twitterin zeigt sich erschreckt, wie groß im ganz normalen sexistischen Alltag die Mehrheit der schweigenden Männer ist. Das Problem: der sexistische Alltag fällt ja den Betroffenen, den Frauen, oft kaum noch auf. So sind sie ihn gewohnt. Nachts auf dem Heimweg den Hausschlüssel in der Faust halten, damit man notfalls sofort zustechen kann. Flache Schuhe anziehen, damit man besser laufen kann. Selbstverteidigungskurs machen. Lernen: keine Angst zeigen. Lernen: wer Angst zeigt, ist irgendwie selbst schuld. Vor allem aber lernen: möglichst keinen gewalttätigen Mann kennenlernen. Einen sechsten Sinn entwickeln.

Der Schreier auf der Zeil beruhigt sich langsam. Oder macht jedenfalls so lange Pausen, dass die Person, die man nur als leises Quaken hört, ein paar Sätze am Stück unterbringt. Aufgrund derer er in ein gemäßigtes Knurren verfällt. Ich bin sauer, sagt er nun, ich hab dir das doch verboten. Baby, sagt er, und klingt endlich fast besänftigt, fast zärtlich, du kannst nicht einfach tun, was du willst, kapier’ das doch.

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