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Gibt es rund um das zerstörte Aleppo eine Oase des Friedens und des biologischen Wirtschaftens?

Times mager

Seife

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Mehr Sommer, mehr Gefühl. Spüren Sie’s auch schon, dieses seltsame Gefühl?

Freunde, es wird Sommer, schneller als man denkt, und eines steht jetzt schon fest, genau genommen sogar zwei: Wir ziehen uns was Schönes an, und wir waschen uns regelmäßig.

Mit anderen Worten: „Mehr Sommer. Mehr Gefühl.“ (Anm. d. Red.: Haben wir nicht auch im Winter Gefühle, nur halt schlechte?) „Seien Sie selbst Ihr schönstes Kompliment: Mit einer modischen Liebeserklärung, die Sommer in den Alltag bringt. Mit Easy-Outfits, die sich schon vor dem Urlaub nach Urlaub anfühlen.“ (Anm. d. Red.: Beachten Sie bitte den literarischen Kniff „vor dem Urlaub nach Urlaub“, wow!) „Und mit Lifestyle-Produkten, die Lebensgenuss ausstrahlen.“ (Anm. d. Red.: Das Gute daran: Sie müssen selber keinen Lebensgenuss mehr ausstrahlen, Sie müssen ihn nicht mal haben.)

Weiter hinten im Prospekt kommt es zum „ultimativen Sommer-Rock“, bei dem es sich allerdings nicht um Musik zu handeln scheint, und dann kommt die Seife. „Das Geheimnis schöner Haut + Haare: Seifen aus Syrien und Nigeria.“ (Anm. d. Red.: Was ist eigentlich die Summe aus Haut + Haare?) Unter anderem: „Aleppo Seife“. (Anm. d. Red.: Warum sind den Deutschen eigentlich die Bindestriche ausgegangen?)

Viel wichtiger: Spüren Sie auch dieses seltsame Gefühl? „Die fein duftende, 100% pflanzlich naturreine Aleppo-Seife (Anm. d. Red.: danke für den Bindestrich, geht doch!!) enthält biologisch angebaute Öle aus Syrien.“ Haben wir eine Vorstellung, wie in Syrien Öle biologisch angebaut werden, fein duftend und naturrein? Gibt es rund um das zerstörte Aleppo eine Oase des Friedens und des biologischen Wirtschaftens? Kann man sich da auch waschen mit der „ältesten Seife der Welt“? Wie weit ist es bis zum nächsten Schlachtfeld?

Ja, es wird Sommer, und selbst ein Werbeprospektchen über Easy-Outfits, Lifestyle und Lebensgenuss kann uns auf eine Wirklichkeit stoßen, die geografisch näher liegt als Teneriffa und dem „ultimativen Sommer-Rock“ so fern wie kaum etwas sonst.

Sollen wir deshalb auf Rock, Lifestyle und Seife verzichten? Nö. Wahnsinn und Wohlbefinden existieren nun einmal aufs Seltsamste nebeneinander her, und ein Mensch, der bei uns den Sommer genießt, hat theoretisch auch Zeit, gegen den Krieg zu streiten.

Nur ein kleiner Hinweis an die Leute vom Prospekt: Erzählt uns doch beim nächsten Mal wenigstens ein bisschen was von den Menschen, die in Syrien das Öl anbauen. Vielleicht kaufen wir das Zeug dann sogar.

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