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In den USA bereiten sich die Menschen wieder auf den „National Hugging Day“ vor.

Times mager

Seid umarmt

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Für alles gibt es einen Tag, sogar zu Ehren der Jogginghose. Aber wen oder was könnte der 20. Januar ehren?

Die Einführung eines „National Hugging Day“, eines Knuddeltages, der absichtlich in die kalte Jahreszeit, nämlich auf den 21. Januar gelegt wurde, war 1986 von einer ernsten Warnung begleitet. Man solle, schrieb der amerikanische Knuddeltagerfinder Kevin Zaborney, sicherheitshalber immer erst fragen, ehe man eine fremde Person mit einer Umarmung überrasche. „Vorsicht ist angebracht bei jenen, die sich mit öffentlichen Bezeugungen von Zuneigung entweder nicht wohlfühlen, oder deren Reaktion auf eine Umarmung nicht bekannt ist.“

Auf nationalhuggingday.com wird jedoch von schönen und, soweit wir wissen, zwischenfallfreien Erfolgen berichtet. In Göteburg kam es zu einem „Hug Mob“: „Wir versammeln uns und spazieren herum, um uns zu umarmen.“ In New York gab es einen Knuddelwettbewerb, bei dem es darum ging, am 21. Januar auf wenigstens zwölf Umarmungen zu kommen. Im englischen Havant wurde ein Hug-Off abgehalten: Für zwei Pfund konnte man sich entweder von „Miss-fit“, dem Maskottchen eines Frauenfitnessclubs, umarmen lassen oder von „Mr Unfit“. Das gesammelte Geld ging an die Krebsstation einer Klinik. In London wurde versucht, den Knuddelweltrekord zu brechen: „Um den begehrten Titel zu erhalten, müssen Knuddler mehr als 24 Stunden und 34 Minuten umarmen.“ Schwer vorstellbar aus heutiger Sicht, dass Briten ausgerechnet in der Disziplin des Andere-Leute-Festhaltens einen Rekord aufgestellt haben könnten.

Zwischen dem „Welttag des Schneemannes“ (18. Januar, sorry, knapp verpasst) und dem Weltknuddeltag, der gleichzeitig der „Welttag der Jogginghose“ ist (Motto: „Trage unbedingt an diesem Tag Jogginghosen, egal, wohin du gehst!“) klafft eine erschreckende Lücke.

Kreative Menschen sind gefragt. Gibt es zum Beispiel schon einen Wir-haben-ein-ganz-schlechtes-Gefühl-Tag? Der 19. Januar wäre frei. Oder einen Wie-konnte-es-soweit-kommen-Tag? Einen Bad-Hair-Day? Anbieten würde sich der 20. Januar. Einen Tweet-auf-die-Bibel-Tag? Einen No-Lie-Today-Day (zur Melodie von „No Milk Today“, auch einen Teil des Textes könnte man problemlos übernehmen: „The end of all my hopes / the end of all my dreams“. Einen Wir-drücken-uns-jedenfalls-die-Daumen-Tag?

Die Dänen haben indessen, davon war kürzlich hier bereits die Rede, das nicht auf den 21. Januar beschränkte Knuddeln erfunden und es Hygge genannt. Hygge ist Ruhe und Geselligkeit, gutes Essen und Trinken. Unhyggelig aber ist ein Gespräch über Politik. Das glauben wir in diesen Tagen gern.

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