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„Simoneta ist wie eine Rose im Tal“, sagt Tamadeus.
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„Simoneta ist wie eine Rose im Tal“, sagt Tamadeus.

Times mager

Seelenblut

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Von einer Rose im Tal und hoher Adjektivdichte.

Vor 100 Jahren, äh, vorigen Monat haben wir einen ersten gemeinsamen Blick in den Roman „Im Geistertal“ von Anny Wothe gewagt, der 1911 als Zeitungsvorabdruck und 1921 als Buch erschien. Das Werk ist, die Älteren erinnern sich, unter den Top Ten der Bücher mit den meisten Adjektiven zu verorten, die je goldüberglüht, flammend und purpurn züngelnd aus deutschsprachigen Druckereien in die Herzen der Lesenden drängten.

Im Geistertal geht es um Liebe, Verrat und tragisches Schicksal, allesamt bereits damals im Übermaß vorhanden. Don Jamos y Cole soll jemanden umgebracht haben. Offenbar ist da sogar was dran. Aber die Hintergründe sind auf Seite 45 noch sehr hintergründig. Jedenfalls lebt der Don nun auf der Insel „Mallorka“ am Rande des Geistertals, und es würde nicht Wunder nehmen, wäre er gar kein Don, sondern eher ein Dieter (oder wie man seinerzeit zu heißen geruhte) und aus deutschen Landen geflohen.

Jamos y Cole hat einen Brief erhalten, der von Unbill kündet, es wird jemand auf die Insel reisen, der seine Camouflage aufzudecken droht. Er begibt sich in die abgelegene Klause des Fraters Tamadeus. Beichtet, nicht uns, nur dem Priester. Der ihn natürlich nicht verpetzt. Der Frater gibt dem Gestrauchelten auf, Buße zu tun vor sich selbst, auf dass er den Unglücklichen und Bedrängten helfe und durch sein ferneres Leben die Schuld auslösche.

Dazu zählt, die Finger von der viel zu jungen Simoneta zu lassen (sie hatte ein paar Seiten zuvor erwogen, sich für Don Jamos aus schierer Liebe zu entleiben). „Simoneta ist wie eine Rose im Tal“, sagt Tamadeus. „Sie gibt Glanz und Duft, solange sie blüht, einmal geknickt, kann sie nie mehr ihre Schönheit ausstrahlen, nicht mehr entzücken, beglücken.“

Bitte, Damen und Herren! Ernst bleiben. „Hüte dich, mein Sohn“, fährt der Frater fort, „daß du die Rose nicht mit hartem Fuß zertrittst, die dir voll Duft im Geistertale blüht, hüte dich!“

Darauf der Ehren-Don: „Es hätte Eurer Warnung nicht bedurft, ehrwürdiger Vater, ich verspreche es Euch, Simoneta soll mir heilig sein. Sie ist für mich wie eine rote Rose, der ein Feuertrunk entquillt, den ich nicht trinken darf, nicht trinken will. Der Liebe Seelenblut zu kosten, habe ich abgeschworen, solange nicht die Schuld, die gräßliche Schuld, von meiner Seele genommen ist.“

Auffällig, dass wir uns in einer Phase stark nachlassender Adjektivdichte befinden, während die Herren plaudern. Eigentlich sollte noch eine Abhandlung über die Unterscheidbarkeit von Buchstaben in Büchern aus dem frühen 20. Jahrhundert folgen („Gimoneta ift wie eine Kofe im Fal“?), aber dafür bleibt nach so viel Seelenblut kein Platz. Nächstes Mal.

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