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Times mager

Am See

  • Stephan Hebel
    VonStephan Hebel
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Die Grenze nahe Lindau sieht aus, als hätte es Horst Seehofer und die FPÖ nie gegeben, denn vermummte Gestalten, Wanderer mitteleuropäischen Ursprungs, überqueren sie unkontrolliert.

Schon Utopia war bekanntlich eine Insel, und Lindau geht es nicht anders, jedenfalls zum Teil. Es ist nicht so, dass in Lindau alles zum Besten stünde: Die Bäume am Strandbad Eichwald sind bedroht, weil der Bürgermeister eine Therme bauen will, und letztens gab es sogar einen Einbruchsversuch, berichtet die „Lindauer Zeitung“. Der ging allerdings – hier beginnen schon die guten Nachrichten – schief.

Das war im Stadtteil Lindau-Insel, dem, vergleicht man ihn mit Zuständen sonst wo auf der Welt, tatsächlich etwas Utopisches anhaftet. Die Läden schließen pünktlich und sind sehr schön. Abends haben dann die Bier- und Bratenstuben offen und sind ebenfalls sehr schön. Die „Alten Kameraden“ am Stammtisch im Hotel Engel sind zwar ziemlich alt, aber zu jung und zu nett, als dass man sich historisch belastete Gedanken machen müsste. Der Kellner hat einen holländischen oder dänischen Akzent und Lederhosen an.

Vom Stadtteil Lindau-Insel kann man über den Bahndamm oder die Autobrücke auf das Festland und dann am Bodensee entlang, vorbei am noch baumbestandenen Strandbad Eichwald, nach Österreich laufen. Die Grenze sieht aus, als hätte es Horst Seehofer und die FPÖ nie gegeben, denn vermummte Gestalten, allesamt Wanderer mitteleuropäischen Ursprungs, überqueren sie vollkommen unkontrolliert. Von Flüchtlingen ist nichts zu sehen, Österreich ist wahrscheinlich am anderen Ende dicht.

Was dann folgt, ist Bregenz, und hier fangen die wenig erfreulichen Nachrichten schon an. Die „Pfänderbahn“ macht Pause, sie wird renoviert, da hilft es auch wenig, dass die „Pfänderdohle“ oben, auf 1064 Meter Höhe, angeblich geöffnet hat. Geht man vom Hafen zur Altstadt, stößt man als Erstes auf ein Brillen- und Hörgerätegeschäft mit dem schönen Namen Nasahl. „Nasahl Hören und Sehen“ steht dran, was dem Anatomiekundigen doch etwas seltsam erscheint, Dehnungs-h hin oder her.

Die Altstadt ist nicht schlecht, aber nicht so schön utopisch wie Lindau-Insel. Geradezu dystopisch der Bahnhof, ein denkwürdiges Architekturverbrechen aus dem letzten Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts, das aber immerhin, wie „Vorarlberg online“ berichtete, „einem Neubau, einem als Hotel angedachten Hochhaus, einem neuen Busterminal und einem Wohnquartier weichen“ sollte. Das hat nicht geklappt, aber der Bahnhof soll trotzdem verschwinden. So sitzt man, gut gewärmt, hinter türkis eingefassten Glasscheiben und ersehnt den Zug nach Lindau-Insel. Der Glaskasten, sagt ein Passant, sei ein „Wartehallenhäuschen“.

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