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Die Autorin Mithu Sanyal.
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Die Autorin Mithu Sanyal.

Times mager

Sechs – die Shortlist für den Deutschen Buchpreis

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Die Dame vom Wettbüro hätte jetzt schon einen Tipp. Aber ist auf sie Verlass?

Gäbe es ein Büro, das Wetten für den Deutschen Buchpreis annähme, und wäre man selbst – das klingt gar nicht so übel – in einer Agentur angestellt, die Menschen mit viel Geld beriete, so wäre die Devise vermutlich: Setzen sie auf die 1971 geborene Düsseldorfer Kulturwissenschaftlerin Mithu Sanyal und ihren bei Hanser erschienenen Debütroman „Identitti“. Hier kommt viel zusammen, Identitätsthemen der Stunde und ihre möglicherweise auch bizarren Folgen, mit Witz, Klugheit und Blick für das satirische Potenzial in allen Dingen verhandelt und in eine schnittige Literatur gebracht. Es wird, so die Angestellte vermutlich, für die Jury nicht einfach sein, an diesem Titel jetzt noch vorbeizukommen.

Aber auch die anderen Titel der am Dienstag vorgestellten Shortlist sind nicht abgeschlagen. Einer salomonisch ausgewogenen Longlist folgte eine ebenso ausgeglichene Liste der sechs. Der Österreicher Norbert Gstrein ist mit dem virtuosen Roman „Der zweite Jakob“ dabei (ebenfalls Hanser), die Österreicherin Monika Helfer mit ihrem schmalen, intensiven Familiengeschichtenbuch „Vati“ (schon wieder Hanser, jetzt reicht es aber). Thomas Kunst hat es mit „Zandschower Klinken“ (Suhrkamp) unter die letzten sechs geschafft, und es fällt allmählich auf, wie viele erfahrene Figuren des literarischen Geschehens nominiert sind, denn selbst Kunst geht seit dem Erfolg des Gedichtbands „Kolonien und Manschettenknöpfe“ nicht mehr als Außenseiter durch.

Ebensowenig ist Antje Rávik Strubel ein Geheimtipp mit dem auf ihre Weise europaumspannenden Roman „Blaue Frau“ (S. Fischer). Schon gar nicht ist es der Schweizer Christian Kracht, der mit „Eurotrash“ (Kiepenheuer & Witsch) weit gekommen ist.

Am Dienstag wurde ferner bekannt, dass er seine Nominierung für den Schweizer Buchpreis per Brief zurückgezogen hat, ein kurioses Nebengeschehen, denn bei aller Hochachtung für die Leistungen der Schweizer Post muss doch ein Tag dazwischen vergangen sein. Er wolle so die Chancen der anderen Nominierten erhöhen, und es scheint eine innerschweizerische Diskussion über „Eurotrash“ zu geben, die er nicht weiter zu nähren gedenke. Vermutlich wird er jetzt eh für den Österreichischen Buchpreis nachnominiert. Nein, natürlich nicht.

Aus verlegerischer Sicht hat Hanser mit drei Titeln den Vogel abgeschossen. Für kleinere Verlage ist es nun endgültig eine frustrierende Runde.

Transparenzhinweis. Die oben erwähnte mögliche Wettbüro-Angestellte engagiert sich privat auch bei Fußballwetten. Gegenwärtig belegt sie auf der FR-Tipptabelle Platz 14 von 16.

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