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Schwur

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Von: Judith von Sternburg

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Schwüre schwirren umher wie Tauben.
Schwüre schwirren umher wie Tauben. © imago

Manchmal schwirren Schwüre umher wie die Tauben. An seinen gehalten hat sich ausgerechnet Herodes.

Kürzlich im TV-Krimi wurde ein Eid im albanischen Mafiamilieu geschworen, den Angsthasen, die das Innenleben der Mafia eh nur aus dem Fernsehen kennen, instinktiv ernst nahmen. Angsthasen bevorzugen selbst im Fernsehen Erbschaftsstreit in den besten Familien, von denen es im hier zur Rede stehenden Zürich wimmeln dürfte, schon weil sich keine andere die Preise leisten kann. In der Tat: Auch beim Abendessen in der Mafiafamilienvilla wird gedämpft gesprochen und ein mysteriöses Gericht (albanisch?) diskret verzehrt. Nein, es wird diskret darin herumgestochert. Die Mafiafamilie hat Sorgen.

Beim Schwur wird ein Finger empfindlich angeritzt, mit dem Blut ein Bildchen beschmiert und dann verbrannt. Der geritzte Finger ist in Nahaufnahme zu sehen. Zu schwören hat der junge Mann beim Leben seiner Mutter. Da bekommen Angsthasen erst recht einen Schreck. Und lenken sich ab, indem sie an all die Schwüre denken, die sie selbst in den vergangenen 24 Stunden geleistet und mitgehört zu haben, ohne mit der Wimper zu zucken. Den Schwur, dass sich der Einkaufszettel auf dem Schreibtisch befinden muss, den Schwur, Robert nie mehr wiedergesehen und die Fahrkarte bloß zu Hause liegengelassen zu haben.

Im modernen Stadtraum schwirren die Schwüre umher wie die Tauben, unsereiner mittenmang. Im Netz: „Bild TV“ meldet, FDP-Vize Katja Suding (laut Wikipedia zwei Kinder) fordere einen Antilockdown-Schwur für Schulen. Die dazugehörige Sendung, ich schwör’s, lässt die Qualifikation öffentlich-rechtlicher Polittalkshows als Stammtischgerede vorschnell erscheinen. Aus Sicht der anwesenden Herren von „Welt“ und „Bild“ scheinen ohnehin erst drei Kinder (ich habe drei Kinder, ich habe auch drei Kinder) zur ernsthaften Beurteilung der Lage zu berechtigen.

Aber was ist mit den Sorgen der Mafiafamilie (ein Kind)? Die größten davon wird der Anwalt Borchert, Christian Kohlund, teils klären – Zusammenführung und Verbringung des Liebespaares nebst Mutter (!) ins Ausland –, teils wegstarren. Weggestarrt wird der Pate, der den Wegstarrstreit aber zweifellos nur verliert, weil das Drehbuch es verlangt. Wenn der Borchert dich böse anguckt, guckst du böse zurück, trittst dann aber zur Seite. Muss ich? Jau, kannste hier nachlesen.

Interessant, dass einer der wenigen, die sich an ihren Schwur halten, ausgerechnet der berühmte Herodes aus Oscar Wildes/Richard Strauss’ „Salome“ ist. Ein Tyrann, Mörder und Lüstling, aber dass er einen Eid geschworen hat, lässt er sich nur sechsmal sagen, bis er seiner Verpflichtung nachkommt, den Bariton hinzurichten. Da erscheint das gutmütige Herumgeschwöre nicht mehr riskant, sondern zivil.

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