+
Fellkissen, nur mit Schwanz, hat Liebe zu geben.

Times mager

Schwanz

  • schließen

Qoobo ist ein wenig amorph, hat aber immerhin einen Hintern zum Reintreten.

Fachleute warnen seit Jahren davor, Roboter allzu menschlich aussehen zu lassen, weil das dann gruselig wirkt. Wer es nicht glaubt, braucht nur einmal kurz in seiner herkömmlichen Erscheinungsform als Mensch in einen Wald zu gehen – schwupp, sind alle Rehe, Hirsche, Füchse, Wölfe, Bären, Hasen, Schlangen, Eulen, Einhörner und Hippogreife verschwunden. Denken Sie mal drüber nach.

Möglich, dass ein, zwei Wildschweine nicht vor der gruseligen Gestalt zurückschrecken, sondern bedrohlich grunzen. Das kommt vor, ist dann aber auch nicht gerade ein Beweis dafür, dass die Sau den Menschen etwa besonders anziehend fände.

In Japan haben Wissenschaftler diese Erkenntnis konsequent angewandt und nun einen Wohlfühl-Roboter entwickelt – Sie sahen ihn vielleicht schon in der Zeitung –, der nur aus einem grauen Fellkissen und einem Schwanz besteht: Qoobo, sein Name. Keine Arme, keine Beine, kein Kopf, kein Gesicht.

Die Sache funktioniert so: Wer ein wenig Liebe und Zärtlichkeit nötig hat (und ganz ehrlich, haben wir das nicht alle?), nimmt Qoobo auf den Schoß und streichelt ihn/sie/es, worauf Qoobo mit dem Schwanz wedelt. Fertig. 149 Dollar plus 50 Dollar für die Lieferung. Qoobo ist in Deutschland noch nicht zu haben.

Im Internet gibt es Videofilme, die Menschen dabei zeigen, wie sie ein/eine/einen Qoobo auspacken, beispielsweise in Holland. Wie sie Qoobo zum Aufladen ans Stromnetz anschließen (das Kabel wird in eine Buchse direkt unterm Schwanz gesteckt). Wie man Qoobo streicheln muss, damit er anfängt, mit seinem Schwanz zu wedeln. Die Menschen im Internet lächeln dann.

Es ist derart einfach, Qoobo zu streicheln, um ihn/sie/es mit dem Schwanz wedeln zu lassen, dass sich der Verwendungszweck des grauen Fellkissens sofort erschließt. Es wird Menschen in die Hand gedrückt werden, die sonst nichts mehr können, die sofort eine beruhigende Interaktion ohne Schwierigkeiten brauchen. Die sich eine Viertelstunde später nicht mehr daran erinnern, dass sie das graue Fellkissen eben gerade erst auf dem Schoß hatten, und erneut darüber staunen, wie es mit dem Schwanz wedelt.

Mag sein, dass menschliche Roboter gruselig wirken, auf Menschen natürlich, so wie auch Krankenhausclowns. Noch gruseliger ist es, ein graues Fellkissen, das mit dem Schwanz wedelt, wenn es gestreichelt wird, in Japan zu bestellen, auszupacken, mit Strom aufzuladen und dann einem hilflosen Verwandten auf den Schoß zu legen, mit dem man in derselben Zeit vertraute Gespräche hätte führen können.

Immerhin: Qoobo hat auch einen Hintern zum Reintreten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion