Kein Genie, aber doch eine Geistesgröße: Georg Wilhelm Friedrich Hegel.
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 Kein Genie, aber doch eine Geistesgröße: Georg Wilhelm Friedrich Hegel.

Times mager

Schwäbisch

  • Christian Thomas
    vonChristian Thomas
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GWF Hegel, vor 250 Jahren in Stuttgart geboren, blieb dem Idiom, mit dem er aufwuchs, ein Leben lang treu. Ein Fall von Dialektik.

Weil sie an den Fortschritt glaubt, steuert die geistige Welt unaufhaltsam auf ein größeres Datum zu, den 250. Geburtstag Georg Wilhelm Friedrich Hegels, ein epochales? Oder doch kein epochemachendes, denn aus seinem Geburtstag hat der Philosoph dann doch weniger (Aufhebens) gemacht als aus seinem Leben selbst Phänomenales, Tiefgreifendes, Weltbewegendes.

Dennoch, so hieß es häufiger, war es ein alles andere als extraordinäres Leben. Das hatte zunächst auch damit zu tun, dass dem Studenten Hegel das Außergewöhnliche nicht so recht anzusehen war – anders als dem Schüler, enorm fleißig wie er war, enorm belesen wie er war. Enorm gebildet bereits, als er ins Tübinger Stift eintrat. Den Lehrern galt er vorerst als ein vielversprechender Stiftler, aber bald schon nicht mehr als ein braver. Der Hegel war ein beunruhigter Mensch, aufgewühlt hatte ihn die Französische Revolution. Er war einer von drei Unruhegeistern auf einer engen Stube, zusammen mit Friedrich Hölderlin und Friedrich Schelling. Zwei Denker, ein Dichter. Wegen des D-3-Gipfels musste es so kommen, dass sich die Frage stellte, ob denn auch Hegel die Voraussetzungen erfüllte, um über ihn sagen zu können: ein Genie.

Ein entschiedenes Nein. Kein Begnadeter, wie der eine oder andere Schwabe um diese Zeit, Schiller an erster Stelle. Darauf haben sich diejenigen Autoren, die die Geistesgeschichte seit Hegel aufgeschrieben haben, immer wieder verständigt. Werden es so auch die Geburtstagfeierlichkeiten bestätigen?

Die These: nein, kein Genie.

Die Antithese: aber doch eine Geistesgröße.

Das letzte, worauf Hegel, auf seine Dialektik angesprochen, beharrt hätte, wäre eine simple Synthese gewesen, zumal er seine dialektische Methode nie als ein staubtrockenes Schema begriffen hat. Vielmehr als ein Angebot, die Gedanken in Bewegung zu halten, zu „verflüssigen“.

Das war kein Zufall, das hatte Methode. Dass es beides ist, ist bereits Zeitgenossen Hegels aufgefallen. Sollte in die Methode womöglich gar die schwäbische Mentalität hineinspielen? Nicht nur einmal hat man es so nachzuweisen versucht – zuletzt auch Sebastian Ostritsch in seiner Hegel-Biografie: über den Reichtum des Schwäbischen an spekulativen Wendungen, die Sowohl-als-auch-Natur des Schwaben, dessen Denken in Widersprüchen.

Das schwäbische Idiom ist nicht so sonderlich hoch angesehen – Vorurteile? Auch die Dialektik muss sich immer wieder Spott gefallen lassen. Vorurteile. Schön, dass wir auf das Hegel-Datum zusteuern. Nur noch 14 Tage! Heute darf man bereits so viel spekulieren: Was Dialektik ist, beruht auf Dialekt; was Dialekt ist, muss dialektisch beurteilt werden. So ist es noch nicht wirklich, aber womöglich vernünftig.

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