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Jüdisches Kulturgut als neues Welterbe ausgezeichnet
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Blick in das Gebäude der Mikwe in Speyer, das 1120 im romanischen Baustil errichtet wurde. Das jüdische Ritualbad mit einem Tauchbecken rund zehn Meter unter dem heutigem Straßenniveau in seinem monumentalen Baustil gilt als älteste bekannte Mikwe dieser Art. Zum ersten Mal zeichnete die Unesco jüdisches Kulturgut in Deutschland als Welterbe aus, indem die begehrte Auszeichnung an die sogenannten Schum-Stätten Mainz, Worms und Speyer als eine Wiege des europäischen Judentums ging.

Times mager

SchUM-Erbe

  • Christian Thomas
    VonChristian Thomas
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Nach den Kurorten und der Mathildenhöhe können sich nun auch SchUM-Stätten und Limes mit dem Welterbe-Titel schmücken.

Die Unesco und ihre allmächtigen Urteile waren häufiger schon unergründlich – gestern immerhin nicht unerfreulich. Hat doch deren Welterbekommission sich angesichts der Steine, der Synagogen, der Friedhöfe und verbliebenen Fundamente der SchUM-Stätten erweichen lassen. Tatsächlich hat sie dem jüdischen Erbe, auffindbar in Speyer, Worms und Mainz, mit sichtbaren Monumenten und unscheinbaren Resten, den Titel Weltkulturerbe verliehen. Vor dem Richterstuhl der Unesco fand eine tausendseitige Dokumentation Anerkennung über eine über tausend Jahre alte Kultur, die, wie keine andere, das Leben und Leiden einer Minderheit in Deutschland seit dem Mittelalter repräsentiert. Ein zweifellos anderes Leiden, als es in Bad Ems und Bad Kissingen kuriert wird, in Orten, die von der Unesco ebenso zum Weltkulturerbe deklariert wurden. Im Übrigen wohl auch ein anderes Leben als das in Baden-Baden.

Neben einer Wohlfühlkultur von Kurorten hat man sich für die Anerkennung von Ritualbädern entschieden, nicht allein eine Spielcasinokultur wurde aufgewertet, sondern eine Religion anerkannt – wie übrigens auch Teile des Limes oder Darmstadts begeisternde Mathildenhöhe, die fortan ebenfalls den Welterbetitel werden vorzeigen können.

Was für ein herrliches Privileg, ein hochherrscherliches? Allerdings wie oft eigentlich war die Unesco-Welterbe-Instanz, die über den Dingen zu schweben scheint, schlecht beraten. Etwa als sie den Kölner Dom auf die Rote Liste setzen lassen wollte wegen bedrohlicher Hochhäuser – und dabei die Rheinseiten verwechselte. Falsch verortete die Unesco anfangs auch im Oberen Mittelrheintal eine geplante Brücke – nicht anders als zunächst auch in Dresdens Elbauen, bei der berühmt-berüchtigten Waldschlösschenbrücke. Nicht nur gelegentlich spielten in die Gnade der Unesco mangelnde Geographiekenntnisse hinein, zudem immer stärker Sekundärtugenden, durchschaubare Marketingkalkulationen, soeben erst beim Votum für die Kurorte.

Unkalkulierbare Unesco. Dennoch, für die SchUM-Stätten ist der Tag der Entscheidung im fernen China, der Weltkulturerbetitel, ein Tag von besonderer Tragweite, bedeutet er doch auch Anerkennung in Zeiten eines unverhohlenen Antisemitismus. Gleichwohl kann man nicht übersehen, wie sehr die Unesco die Kulturwelt auch an diesem Richterspruch teilnehmen ließ wie an einer Zitterpartie: hier die Erlösten, dort die Bedrückten. Mit ihrem Votum für die SchUM-Stätten hat die Weltmacht Unesco auch sich selbst einen Dienst erwiesen. Obwohl durch ihre Selbstherrlichkeit immer wieder gefährdet, setzte sich die Welterbekommission gestern nicht selbst auf die Rote Liste der Kulturinstitutionen.

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