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Da rauscht er durch, der ICE, und es liegt wahlweise am fehlenden Rhythmus oder am Ersatzfahrplan.

Times Mager

Schscht

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Wenn der ICE einfach nicht in Wolfsburg halten will, dann hilft nur fluchen. Oder Roberto Blanco.

An der Universität von Keele in den englischen Midlands hat man kürzlich die Funktionsweise von Ohrwürmern erforscht. Womöglich wird sie sich demnächst auch mit Roberto Blanco beschäftigen, der seit 45 Jahren bestgelaunt den Ohrwurm „Ein bisschen Spaß muss sein“ singt, aber neulich in der ARD-Silvestershow war alles weg. Text futsch, Ohrwurm tot. Was war los und wenn ja, warum?

Aber das soll jetzt niemanden interessieren. Es geht hier und heute um den Nutzen des Fluchens, um Schmerzen, das Nervensystem, die deutsche Bahn und wie alles zusammenhängt. Womit wir in Wolfsburg angekommen wären.

Wolfsburg, in den norddeutschen Midlands zwischen Berlin und Hannover gelegen, jener magische Ort, in dem der ICE manchmal einfach nicht halten will, obwohl er müsste. Vergangenes Jahr zweimal, insgesamt schon sechsmal, was ärgerlich ist für Reisende, die nach Wolfsburg wollen. Warum hat ein ICE gehalten, ein anderer nicht? Die Bahn hat lange und gründlich geprüft und ist nun zu dem Ergebnis gekommen: Bauarbeiten sind schuld. Bauarbeiten bedeuten für Lokführer Spezialfahrpläne, was bedeutet, dass die bekannten Normalfahrpläne dort nicht gelten, was bedeutet, dass man als Lokführer höllisch aufpassen muss, was nicht immer gelingt. Anders gesagt: „Unregelmäßigkeiten erhöhen die Chance, etwas zu vergessen“, meint Pro Bahn, die Fahrgast-Lobby.

Das bedeutet insgesamt nicht unbedingt Gutes. Die Bahn baut bekanntlich auch 2018 weiter, es gelten weiterhin Spezialfahrpläne, ein Lokführer sieht vielleicht im kommenden Mai versonnen eine Sekunde lang aus seinem ICE-Fenster den ostniedersächsischen Rindern beim Grasen zu. Oder einem Storch, der meditierend herumsteht – und schscht: Gütiger Gott, war das gerade Wolfsburg?

Hier kommt die Keele University ins Spiel und geht vorbeirauschenden Wolfsburg-Reisenden mit Fachwissen zur Hand. Die Universität hat herausgefunden: Schmerzen lassen sich besser ertragen, wenn man dabei flucht. Also, hat man Schmerzen: raus damit. Besser schreien als schlucken. Und Schmerzen und Leiden, das wird niemand bestreiten, treten bei Wolfsburg-Reisenden auf, wenn der ICE schscht…

Sollte es auch 2018 vorkommen, dann beherzt und wissenschaftlich unterlegt fluchen. Je derber, je heilsamer, die Schmerztoleranz erhöht sich entsprechend. Die Keeler haben keine Reisenden beobachtet, als sie zu diesen Resultaten kamen, sondern Menschen gebeten, ihre Hände in Eiswasser zu tunken, was streng wissenschaftlich betrachtet vergleichbar ist mit dem kalten Grausen, nicht in Wolfsburg zu halten. Wer fluchte, hielt länger im Eiswasser durch. Warum? Keele University: „Ein möglicher Grund könnte sein, dass es den Sympathikus stimuliert – also das Nervensystem.“

Und wenn Fluchen im ICE auch nicht hilft? Was dann? Dann bleibt nur noch Roberto Blancos weise Weltsicht: Wolfsburg, schscht, na und. Ein bisschen Spaß muss sein!

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