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Auch in China liest man ab und an die Frankfurter Rundschau.
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Auch in China liest man ab und an die Frankfurter Rundschau.

Times mager

Schriftzeichen

  • Pitt von Bebenburg
    VonPitt von Bebenburg
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Irgendwo zwischen Zensur und Übersetzungspannen haben sich die "Herrenknechte" eingeschlichen: Von einem deutsch-chinesischen Traum.

Vielen Dank, dass Sie sich für alles interessieren, was wir schreiben. Man kann das ja nie wissen, vor allem, wenn es um entlegene Themen geht wie die Verbesserung ökologischer Standards in chinesischen Stahlwerken oder die Beziehungen zwischen der SPD und der Kommunistischen Partei Chinas.

Umso erfreulicher ist es zu erfahren, dass Artikel der Frankfurter Rundschau über genau diese Themen im vorigen Jahr „die großen Interessen und den positiven Anklang der deutschen Leser erregt haben“. Dieses sprachlich wacklige, aber inhaltlich wohlmeinende Resümee haben wir jetzt schwarz auf weiß.

Es steht auf Seite 182 des soeben erschienenen Bandes „Der gemeinsame Traum“. Vermutlich kennt ihn ein Großteil der Leser noch nicht, denn diese „Denkschrift des zweiten Nachhaltigkeitsdialogs zwischen der KPCh und der SPD“ ist in China erschienen, in chinesischen Schriftzeichen und einer weiteren Sprache, die dem Deutschen nahe kommt.

Offensichtlich haben chinesische Autoren im Auftrag der KP Chinas die Artikel aus der FR in ihre Sprache übersetzt, dabei die kritischen Passagen ausgelassen und das Ganze dann wieder in halbwegs verständliche deutsche Formulierungen gepackt. Das liest sich dann so: „Die chinesischen einschlägigen Experten von vielen Instituten und Ämtern waren in Anwesenheit.“

Wie sich Zensur anfühlt

Die politische Landeskunde wird indirekt mitgeliefert, denn erstmals erfahren wir, wie es sich anfühlt, zensiert zu werden. Ein Satz, der in der FR stand, lautete: „Die Tagung wird vom größten südchinesischen Fernsehsender South China stundenlang live übertragen – samt den kritischen Tönen, die in der Diskussion sehr wohl zu hören sind.“ Davon bleibt im Buch nur der erste Teil übrig. Der zweite ist gestrichen. Auch die Anmerkung, dass bei der Konferenz etliche Chinesen ihre „Unzufriedenheit mit den kleinen Herrschern in der Administration“ geäußert haben, ist – oh Wunder – verschwunden.

Immerhin können wir nun nachlesen, was die chinesischen Journalistenkollegen von der Jieyang Tageszeitung und der NF Daily über die Konferenz geschrieben haben. Obwohl – auch da können wir uns nicht sicher sein. Denn in diesen Beiträgen stößt man auf kuriose Sätze wie diesen, der von deutschen Investitionen in China handeln soll: „Da gibt es z.B. auch einen Standort von VW in Foshan oder Herrenknechte.“ Herrenknechte? Irgendwo zwischen Zensur und Übersetzungspannen haben sie sich eingeschlichen. Wer sie sind und was sie zum Wirtschaftsleben beitragen, verschwindet unerforschlich hinter chinesischen Schriftzeichen.

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