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Ohne Buch geht nichts in der Grande Nation. Das gilt zumindest für das Amt des Staatspräsidenten, das Nicolas Sarkozy, hier rechts im Bild und mit Buch, schon bekleidete und gerne wieder einnehmen würde.
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Ohne Buch geht nichts in der Grande Nation. Das gilt zumindest für das Amt des Staatspräsidenten, das Nicolas Sarkozy, hier rechts im Bild und mit Buch, schon bekleidete und gerne wieder einnehmen würde.

Times mager

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  • Axel Veiel
    VonAxel Veiel
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Wer in Frankreich Staatspräsident werden möchte, sollte schon einmal anfangen, ein Buch zu schreiben. Ohne selbstverfasstes Werk wird das nichts.

Wie sollte es im Lande Victor Hugos, Charles Baudelaires und Marcel Prousts auch anders sein. Wer es in Frankreich zum Staatspräsidenten bringen will, muss erst einmal zeigen, dass er das Zeug zum Schriftsteller hat. Man mag einwenden, dass es im Élysée-Palast anderer Fähigkeiten bedarf. Dass Bücher schreiben für einen Staatschef so wichtig ist wie Strichmännchen zeichnen oder Gute-Nacht-Lieder singen. Man mag sich sagen, dass Frankreichs twitternde, postende, Talkshows belebende Politiker ihre Botschaft auch ohne Bücher schon vielfach unters Volk bringen. Tatsache ist: Nur ausgewiesene Literaten dürfen im Präsidentschaftsrennen an den Start gehen. Oder wie sonst ist zu verstehen, dass sämtliche Anwärter auf das höchste Staatsamt die Franzosen mit einem Buch beglückt haben oder dies in Kürze zu tun gedenken? Und ist nicht Charles de Gaulle leuchtendes Vorbild, der sich schreibend mit der Berufsarmee auseinandersetzte und später allein fünf Memoirenbände verfasste?

Als bisher letzter von gut einem halben Dutzend Kandidatinnen und Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen 2017 hat jetzt der Konservative Bruno Le Maire zur Feder gegriffen. „Resigniert nicht!“ heißt das Werk des früheren Landwirtschaftsministers. Stéphane Hessels Bestseller „Empört euch!“ lässt grüßen. Zuvor waren bereits Nicolas Sarkozy („Frankreich ein Leben lang“) sowie seine parteiinternen Widersacher Alain Juppé („Für einen starken Staat“) und François Fillon („Machen“) als Autoren ins Rampenlicht getreten.

Mit 135 000 verkauften Exemplaren liegt Nicolas Sarkozy in der Gunst des Lesers einsam an der Spitze. Der Expräsident, der es noch einmal wissen will, hat in „Frankreich ein Leben lang“ auf 350 Seiten seine Versäumnisse, Schwächen und Fehler literarisch aufgearbeitet – ein Einfall, auf den die Kolleginnen und Kollegen nicht im Traum gekommen wären.

Sarkozy als Sieger des Literaturwettbewerbs auszurufen und damit als Favoriten der Präsidentschaftswahlen, das wäre freilich verfrüht. So manches vielversprechende Werk steht schließlich noch aus. Man denke nur an das mit Spannung erwartete „Wir haben die Welt verändert“ von Sarkozys ehemaliger Sprecherin Nathalie Kosciusko-Morizet. Am 9. März soll es erscheinen, dicht gefolgt von „All die Feiglinge“ der forschen früheren Familienministerin Nadine Morano. Womöglich greift ja auch noch der seine Wiederwahl betreibende Amtsinhaber François Hollande in die Tasten. Ein Roman à la „Auf der Suche nach der verlorenen Regierungszeit“ hätte allemal das Zeug zum Bestseller.

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