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Im französischen Puteaux erstrahlt das Taufbecken der Pfarrkirche seit neustem in strahlendem Lila.
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Im französischen Puteaux erstrahlt das Taufbecken der Pfarrkirche seit neustem in strahlendem Lila.

Times mager

Schockfarben

  • Axel Veiel
    VonAxel Veiel
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Der französische Staat ist zu manchem verpflichtet. Aber gar nicht hätte die Stadt Puteaux dem aus Spenden finanzierten Taufbecken einen neuen Look (Chic?) verpassen dürfen.

Wenn es denn nur diese gotteslästerlichen Karikaturen wären, welche die katholische Kirche im weltlich ausgerichteten Frankreich hinzunehmen hat: Damit könnte sie leben. Doch was ihr jetzt im Namen der Kunstfreiheit zugemutet worden ist, geht über die von Satirezeitungen wie „Charlie Hebdo“ oder „Le Canard Enchaîné“ gepflegte Lästerei hinaus – und aus kirchlicher Sicht entschieden zu weit.

Joelle Ceccaldi-Raynaud, Bürgermeisterin von Puteaux, hat die Maler bestellt und der aus dem 16. Jahrhundert stammenden Pfarrkirche der Pariser Vorstadt ein profanes Kleid verpassen lassen. Das Taufbecken leuchtet nun lila, der Chorraum zinnoberrot. Selbst die Statuen leuchten. Ein gelblich-beiger Anstrich macht es möglich. Berichte, wonach das Gesicht des Gemeindepfarrers inzwischen ebenfalls leuchtet und zwar zornesrot, sind zwar nicht verbürgt. Fest steht aber, dass die Kirche von Schockfarben spricht und das Kultusministerium wegen Verdachts der Verschandelung eines denkmalgeschützten Gebäudes ermittelt. Bis zu sieben Jahre Gefängnis und 100 000 Euro Bußgeld stehen darauf. Sollte sich der Verdacht zur Gewissheit erhärten, will das Ministerium die Staatsanwaltschaft einschalten.

Eigenwillig zu Werke

Nun ist es nicht so, dass die strikte Trennung von Staat und Kirche dazu geführt hätte, dass weltliche Herrscher in französischen Gotteshäusern nicht Hand anlegen dürften. Sie sind in gewisser Weise sogar dazu verpflichtet. Seit Frankreichs Revolutionäre die einst unermessliche Reichtümer anhäufende katholische Kirche enteigneten, zählt der Erhalt historischer Gebetsstätten zu den vornehmen Aufgaben des Staates. Auswahl von Seelsorgern oder Gestaltung des Gottesdienstes gehen ihn nichts an. Sie sind Privatsache und im Wesentlichen aus Spenden zu bestreiten. Renovierung und Restaurierung aber obliegen der öffentlichen Hand.

Die Bürgermeisterin bestreitet nicht, dass sie eigenwillig zu Werke gegangen ist und Pfarrgemeinde sowie den Präfekten des Departements Hauts-de-Seine vor vollendete farbliche Tatsachen gestellt hat. Von Rechts wegen hätte Ceccaldi-Raynaud sowohl den Pfarrer als auch den Präfekten vor der Auftragsvergabe ins Bild setzen müssen. Schon gar nicht hätte die Stadt dem aus Spenden finanzierten Taufbecken einen neuen Look (Chic?) verpassen dürfen. Aus Kirchenmauern austretende Feuchtigkeit hätte entschlossene Renovierungsschritte verlangt, versichert die Bürgermeisterin. Was freilich die Auswahl der neuen, vermutlich äußerst wasserfesten Wandfarben betrifft, hüllt sie sich in düsteres Schweigen.

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