Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Wer gerade nicht in Parka und Handschuhen am Steuer saß, versank in seinem Schlafsack, schaute versunken, wie eine weiße Welt in einem Katastrophenwinter versank.
+
Wer gerade nicht in Parka und Handschuhen am Steuer saß, versank in seinem Schlafsack, schaute versunken, wie eine weiße Welt in einem Katastrophenwinter versank.

Times mager

Schneechaos

  • Christian Thomas
    vonChristian Thomas
    schließen

Zum Jahreswechsel 1978/79 zwang der Winter dazu, von einem Jahrhundertwinter zu sprechen.

Schneechaos, guck mal! Und die Geschichte fing auch gar nicht gut an, in einem Windfang, dessen Funktion mit dem Wort aber im Grunde recht genau beschrieben ist. Allerdings nicht in jedem Sekundenbruchteil eines Jahrhundertwinters. Urplötzlich war der Windfang ein Ort ohne Funktion. Wie es dazu kam, dass sich jemand fand, um die geborstene Scheibe des Windfangs mit einem Brett zu verschließen – zu dieser Einzelheit schweigt die Erinnerung. Zu anderen Details nicht.

Dazu gehört, dass Handwerker wissen, ob eine Schraube rechtsherum in ein Brett gedreht werden muss. Oder, sieh mal an, andersherum? Und so hätte man (ich) wissen können, dass man sich nicht mit dem Eigengewicht gegen die Scheibe einer Windfangtür stellt, wenn ein Sturm auf die Tür drückt, auf einer ostfriesischen Insel, die Böen aber für einen Sekundenbruchteil aussetzen, so dass man mit der Schulter in die Tür fällt (oder umgekehrt, die Scheibe in die linke Schulter). Allns kloor.

Nachdem hiermit die Ausgangssituation beschrieben ist, durch die wir hinter der verbretterten Windfangtür und der geschlossenen Haustür saßen, ging die Geschichte aber weiter. Denn wir hörten den Orkan immer lauter, so dass das Radio immer lauter heulen musste, so dass uns klarwurde, dass wir auf einer Insel in der Nordsee versackt waren, für die es, wie ja für die gesamte Welt rund um die Insel, ernst sei, sehr ernst.

Dennoch stemmten wir uns am nächsten Tag gegen den Schneesturm, dem Dorf zu, wo der Stand der Dinge, vom Radio angekündigt, daran ablesbar war, dass Häuser in haushohen Schneewehen versunken waren. Um sicher zu sein, dass sie im Radio auch damit recht hatten, dass die Temperatur auf unter minus 20 Grad gefallen war, stießen wir weiter vor. Und so standen wir schließlich am Strand, um zu sehen, wie das offene Meer am Ufer einen Saum aus Gefrorenem bildete. Tags darauf sahen wir dann, wie vollständig erstarrt mittlerweile das Wattenmeer war, wobei mit mittlerweile damals schon der Jahreswechsel 1978/79 gemeint war.

Es war dann, unvergessen, ein Eisbrecher, der auch uns die bis auf weiteres letzte Passage durchs Watt frei machte. Wie ja auch, unvergessen, ein Panzer der Bundeswehr eine Schneewehe durchbohrte (vor Esens oder hinter Wittmund?). Auf jeden Fall schlitterten wir zu viert in einem signalfarbenen, aber nicht heizbaren VW-Käfer über Eis und Schnee, und wer gerade nicht in Parka und Handschuhen am Steuer saß, versank, was kurz lustig aussah, in seinem Schlafsack. Schaute versunken, wie eine weiße Welt in einem Katastrophenwinter versank. In unsere erste Weltuntergangsstimmung schlitterten wir aber noch nicht in jenem, allns kloor, Jahrhundertwinter.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare