Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Warten auf das Schiff – aber kommt dieses auch?
+
Warten auf das Schiff – aber kommt dieses auch?

Times mager

Schnauze

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
    schließen

Zuerst kam gar kein Schiff, dann das falsche – aber das Ende und die Laune waren gut. Nur Party gab’s keine.

Eine Schifffahrt, die ist lustig, eine Schifffahrt, die ist schön, aber ist gerade Freitag, musst du leider wieder gehn. Hollahi. Hollaho. Vollkommen einig sind wir uns darüber, dass es „Seefahrt“ heißen muss in dem alten Lied, aber See stand nicht zur Verfügung. Die Urlauber hatten einen Fluss, ein grobes Ziel und einen Plan: Hin wird gewandert, zurück fahren wir mit dem Schiff.

Das schien eine lustige Sache zu sein. Durch den Bildausschnitt, den der Blick aus dem Ferienquartier auf den Fluss freigab, fuhren täglich (dachten die Wanderer) buntbeleuchtete Kähne, manchmal mit schmissiger Musik, und an Deck eine gelöste Gesellschaft. „Partyschiffchen!“ riefen sie, sobald wieder eins hurtig vorbeistampfte. Da wollten sie mit. Es gab nur einen Haken. Als die Weinbergwanderer den Anleger erreichten, legte nichts an. „Täglich außer Freitag“ lautete die Klausel im Fahrplan, offenbar mit Geheimschrift, die erst sichtbar wurde, wenn man ausgepumpt am Pier stand, und zwar freitags.

Ohnehin verliert „Eine Seefahrt, die ist lustig“ bei näherer Betrachtung jäh den Anschein eines vergnüglichen Kinderlieds. Der Text, selbst in der vierstrophigen Kurzfassung, ist fremden-, frauenfeindlich und derb. Wenigstens gefiel das Lied den Nazis nicht. Isa Vermehren veralberte, 16-jährig, Joseph Goebbels mit dem Vers: „Unser Erster auf der Brücke/Ist ein Kerl Dreikäsehoch/Aber eine Schnauze hat er/Wie ’ne Ankerklüse hoch“. Die Gestapo machte anschließend den Aufführungsort dicht, die Berliner „Katakombe“. Hollahi.

Das Freitagsmalheur mit dem Geisterschiff trug sich 2019 zu. Zwei Jahre später, so lautete der Entschluss der Wanderer, sollte es klappen. Gewitzt entschieden sie sich für einen Donnerstag. Schon hatten sie die Fußwegstrecke heiter zurückgelegt, schon standen sie abfahrtbereit am Pier, schon legte ein Schiff an. „Erst aussteigen lassen!“, die im Befehlston geschriebene Anordnung beachteten sie strikt. Schon verließen die Aussteigenden das Schiff, schon war das Tau gelöst – schon fuhr der Dampfer wieder ab. Die Wanderer noch brav am Ufer. Hollaho.

Wie sich zeigen sollte, war’s das falsche Schiff. Das richtige kam zehn Minuten später und nahm alle mit. An Deck dem Weine zusprechen, Landschaften vorüberziehen lassen. Ende gut, Schifffahrt gut. Party gab’s aber keine.

Die 15. und letzte Strophe dürfte bekannt sein, sie steckt in mehreren Militärliedern: „In der Heimat angekommen/Fängt ein neues Leben an/Eine Frau wird sich genommen/Kinder bringt der Weihnachtsmann“. Was man sich so hat erzählen lassen, einst, von kleinen Männern mit großer Schnauze. Hollahiahiahia hollaho.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare