+
Schau mir in die Augen: Familienmitglied "Mittelamerikanische Schnappschildkröte".

Times Mager

Schlupflieder

  • schließen

Schlupflieder, das sei klar gestellt,  haben selbstverständlich nicht im Entferntesten etwas mit Volksmusik zu tun.

Von gewissen Schlupfliedern war hier in der Nähe vor einiger Zeit die Rede, oder nein, die Schreibe. Es wird jetzt nicht verraten, wo genau (jedenfalls nicht ganz genau) und wer genau. Es sollte eigentlich um Augen gehen. Okay. Aber Schlupflieder, so was muss natürlich lauthals besungen werden. Also schlupfen wir alle ein bisschen näher zusammen und lauschen.

Die Geschichte geht so. Eines Tages stand bei der Familie Mittelamerikanische Schnappschildkröte wieder Nachwuchs an. Die Jüngeren waren bei solchen Gelegenheiten immer total hibbelig, und darum versammelten sich die großen und die kleinen Mittelamerikanischen Schnappschildkröten abends ums Lagerfeuer, nachdem die Schnappschildkrötenmama so ca. dreißig, fünfunddreißig Eier gelegt hatte, und: sangen.

Eines der beliebtesten Lieder hieß „Schlupf, kleine Alligatorschildkröte, schlupf“, denn wie Mittelamerikanische Schnappschildkröten schon früh lernen, gehören sie zur Familie der Alligatorschildkröten. Die sind sehr mutig, werden enorm groß und haben noch nicht mal Angst vor Krokodilen oder davor, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fällt, vor Oliver Kahn oder vor der Hitparade der Volksmusik.

Wobei Schlupflieder selbstverständlich nicht im Entferntesten etwas mit Volksmusik zu tun haben. Das können auch Entenfamilien, Doppelschnepfensippen und die meisten Rotrücken-Zimtelfen bestätigen. Es handelt sich vielmehr um Lieder, die vor dem freudigen Ereignis alle noch enger zusammenrücken lassen. Bei Glattkopfleguanen und Ringelschleichen hat sich neben den Schlupfliedern zudem ein ganzes Genre von Schlupffilmen etabliert, dessen bis heute wichtigster Vertreter sicher „Schlupflos in Seattle“ ist, ein ausgesprochen gefühlvolles Drama. Aber auch Thriller wie „Schlupf langsam“ (besonders die Teile 12 bis 27) haben durchaus ihre Fans unter eierlegenden Vollmilchsauen – letzterer ein Begriff, der es unlängst ebenfalls beinahe in die Frankfurter Rundschau geschafft hätte. Aber nur beinahe.

Jetzt heißt es sicher wieder, es gebe überhaupt keine Schlupflieder und kleine Mittelamerikanische Schnappschildkröten würden nach dem Schlüpfen (mit ü!) auf Nimmerwiedersehen im Ozean abdackeln, statt abends mit Mama und Papa am Lagerfeuer zu sitzen, und bei allen anderen Eierlegern verhalte es sich genauso und das hier sei von vorne bis hinten eine absolute Lügengeschichte, am ehesten existierten Schlupflieder für kleine Menschenkinder, die mit einem Lied viel leichter unter die Biene-Maja-Bettdecke zu kriegen seien.

Möglich. Aber man kann ja ruhig auch mal ein Auge zudrücken.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion