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Die Frage, ob Schlummern gut sei, kann nur als rhetorisch empfunden werden.
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Die Frage, ob Schlummern gut sei, kann nur als rhetorisch empfunden werden.

Times mager

Schlummern

  • Judith von Sternburg
    vonJudith von Sternburg
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Vor der Erfindung der Schlummertaste war das Leben viel komplizierter. Aber sie hat einen schlechten Ruf.

Segen und Fluch der Menschheit ist außerdem die Schlummertaste. Wer sie mag und intensiv einsetzt, sollte sich nicht im Internet nach ihr erkundigen. „So gefährlich ist die Schlummertaste“, „Darum sollten Sie nie wieder die Schlummertaste drücken“, „Warnung vom Schlafforscher“, solche gemeinen Sachen stehen hier an erster Stelle, und selbst unter der unverfänglichen, gewissermaßen entgegenkommenden, hoffnungsfreudigen Frage „Ist Schlummern gut?“ droht es unverzüglich: „Doch das ständige Aufwachen und Weiterschlafen kann gefährlich sein.“ Vorher muss es also auch Vorteile gegeben haben, die die fitte und penetrant nimmermüde Suchmaschine direkt geschluckt hat.

Selbstverständlich kann eine fitte und penetrant nimmermüde Suchmaschine mit einer Schlummertaste nichts anfangen. Weniger fitte und keineswegs nimmermüde Menschen können aber immer noch wach genug sein, um zu erkennen, dass solche Überschriften bloß der Lockung dienen. Aber nichts da. Hier gilt es, Disziplin zu beweisen, zum Beispiel jene Disziplin, vor der uns die Schlummertaste bewahrt. Denn die Frage, ob Schlummern gut sei, kann eine langjährige Schlummertastennutzerin – und einem langjährigen Schlummertastennutzer wird es kaum anders gehen – nur als rhetorisch empfinden. Denn ja, sie ist gut. Sie gibt Zeit zum Nachdenken, zur Sammlung und durchaus zum Schlummern. Wer abends zum Beispiel extrem schnell einschläft, will vielleicht wenigstens einmal am Tag das Gefühl haben, sich in seinem Bett zu befinden.

Vor der Schlummertaste – Gott segne den Menschen, der sie erfand – war es sehr viel umständlicher. Drei, vier Wecker im fein aufeinander abgestimmten Einsatz und dann doch wieder Schrecken, Verwirrung, das Gewurschtel am falschen Wecker.

Je häufiger hier übrigens das Wort Schlummern fällt, desto unwahrscheinlicher wird seine Existenz. Ein interessantes Phänomen, wie sich überstrapazierte Wörter in Richtung des Fantastischen bewegen. Rasch also noch in „Kluges Etymologischem Wörterbuch der deutschen Sprache“ nachgeschlagen, das voll im Bilde ist und Folgendes nachschiebt: „Norwegisch ,slum‘, ,schlaff‘ weist darauf hin, dass hier das gleiche Benennungsmotiv vorliegt wie bei ,schlafen‘.“ Es ist immer wieder erfrischend, wenn die Etymologie auf Dinge hinweist, auf die man ohne sie nicht gekommen wäre. Wir denken uns das bloß so zwischen dem dritten und vierten Schlummern, aber die Etymologie hat den Beweis und kennt die Fäden, die die Sprachen zusammenhalten. Über „Benennungsmotive“ wollen wir morgen früh nachdenken, wenn wir endlich wieder Zeit dazu haben.

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