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Seit Menschengedenken galt nämlich die Amerikanische Pantoffelschnecke, gestatten, Crepidula fornicata, als tödliche Heimsuchung der Europäischen Auster, unangenehm, Ostrea edulis.

Times mager

Schlappen

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Noch immer wissen wir nicht, wer die Europäische Auster auf dem Gewissen hat. Klar ist nun aber: Die Amerikanische Pantoffelschnecke war’s nicht.

Große Erleichterung und gegenseitiges Abklatschen unter den Bauchfüßern der westlichen Welt: Die Amerikanische Pantoffelschnecke ist unschuldig. Ein Forschungsteam hat Beweise zusammengetragen, die sie eindeutig entlasten. Ungeklärt bleibt damit jedoch vorerst die Frage, wer die Europäische Auster auf dem Gewissen hat.

Schneckenfreundinnen und Schneckenfreunde aus nah und fern kennen dieses unbehagliche Gefühl, wenn ihnen ein Gastropode arglos über den Weg kriecht, sei es Weinberg-, sei es Nacktschnecke, sei es Tigerschnegel: Du kannst nichts dafür, sagten wir jahrzehntelang und hoben das Tier sacht auf die andere Seite der Promenade, setzten es unter einen Strauch auf die feuchte Wiese. In Sicherheit, dorthin, wo kein Fahrradreifen das Weichwesen plattzumachen, möglichst auch kein Feuersalamander und kein Igel es aufzufressen drohte. Du bist eine Gute, sagten wir. Du kannst nichts dafür.

Denn Differenzierung: so wichtig! Nicht alle Schnecken in einen Topf werfen. Hier die harmlosen Kerlchen aus unseren Breiten – dort die gemeinen Invasoren aus Amerika, die (in Pantoffeln!) eine heimische Art zum Teufel jagten. Dachten wir.

Seit Menschengedenken galt nämlich die Amerikanische Pantoffelschnecke, gestatten, Crepidula fornicata, als tödliche Heimsuchung der Europäischen Auster, unangenehm, Ostrea edulis. Mit anderen Austern aus der Neuen Welt eingeschleppt, verdrängte die eine laut Anklage die andere. Seither ausgestorben, unsere arme Auster. Futsch. Raus aus der Nordsee. Es gab zwar keine Augen- oder sagen wir: Fühlerzeugen. Doch galt als gesichert, dass beide Wasserbewohnerinnen die gleiche Nahrung filtrieren (lecker Plankton), und dass die invasiven Amis mal wieder den anderen alles wegfraßen. Wie gesagt, in Schlappen. Mit Mayo vermutlich.

Doch Einspruch, Euer Ehren! Eine Jury um den Senckenberg-Wissenschaftler Dieter Fiege wertete Indizien aus, befragte insgesamt 1750 Austern- und 739 Pantoffelschneckenindividuen, die in den vergangenen hundert Jahren in verschiedenen europäischen Sammlungen gelandet waren. Ihr Urteil: Freispruch. Die Apokalypse der hiesigen Austernpopulation sei schon lange vor der Ankunft der Schnecken losgegangen: „Die Schnecke wurde demnach zu Unrecht verdächtigt.“

Jetzt die harmonische Happyendmusik aus den Doris-Day-Hausschuh-Filmen, Schampus, Jubel, Konfetti. Aber auch ein bisschen Verständnis für die falschen Verdächtiger: Im Jahr 1934 begannen die Pantoffelschnecken, sich in Deutschland auszubreiten. Da wird man ja wohl mal ganz spontan nur das Allerschlechteste von ihnen denken dürfen.

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