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Times Mager

Schicksal

  • Harry Nutt
    VonHarry Nutt
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Man kann den gerade erst am Beginn der staatsanwaltlichen Ermittlungen stehenden Fußballwettskandal als dramatischen Eingriff in eine gesellschaftliche Routine auffassen. Von Harry Nutt

Man kann den gerade erst am Beginn der staatsanwaltlichen Ermittlungen stehenden Fußballwettskandal als dramatischen Eingriff in eine gesellschaftliche Routine auffassen. Nichts scheint unsere Existenzweise besser zu spiegeln, als die nationalen Fußballligen, in denen gefeiert und gelitten, gekämpft und geweint wird. Zuletzt wirkte es sogar so, als würden wir eines neuen Gefühls von Trauer überhaupt erst im Stadion gewahr.

Der Wettskandal ist ein Einbruch in das schicksalhafte Prinzip, dass etwas so oder so ausgehen kann. Es gibt verlässliche Parameter, aber nach dem Anpfiff ist das Spielfeld ein Raum der Kontingenz. Fußball, könnte man sagen, ist dazu da, uns immer wieder Demut abzuverlangen. Das Unwahrscheinliche kann passieren, das Naheliegende ausbleiben.

Der anschließende Blick auf die Tabelle ist der Versuch, das dramatische Geschehen als Ausdruck einer objektivierbaren Ordnung zu betrachten. Dieser Ordnung muss man vertrauen. Wenn alles passieren kann, muss wenigstens das Ergebnis der Aggregatzustand des zuvor Ungewissen sein. Am Fußball beobachten wir nicht nur das Schicksal an sich, sondern auch unsere Fähigkeit, mit ihm umzugehen. Lebbe geht weiter.

Man kann den Fußballwettskandal allerdings auch als Fortsetzung des Spiels mit anderen Mitteln verstehen. Der kriminelle Versuch, den ungewissen Ausgang des Spiels zu einer berechenbaren Größe zu machen, entspränge dann der Omnipotenzphantasie, alles unter Kontrolle zu behalten. Die Manipulatoren des Wettmarkts jedenfalls teilen mit den Managern des Sportgeschehens das Machbarkeitsideal und die Begeisterung für die große Zahl.

Was unterscheidet die Transfersumme von mehr als 100 Millionen Euro für einen Spieler auf der Basis von Schulden vom Investment in vorhersehbare Entscheidungen einiger am Spiel beteiligter Personen? Die Antwort ist einfach: Der Transfer gehört zur Sphäre der Wirtschaft, während sich die Wettmanipulation in deren Schatten bewegt. Man kann den Betrug als parasitären Akt bei einem so oder so riskanten Spiel betrachten. Schon möglich, dass beide Spiele demnächst anders gespielt werden. Wahrscheinlich aber gehen sie weiter.

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