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Kritischen Zeitgenossen muss man seit Huttens Abhandlung nicht mehr sagen, dass Herrschaftsrechte und Territorium, die der römische Imperator Konstantin angeblich dem Bischof von Rom vermachte, auf einer Fälschung beruhten.
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Kritischen Zeitgenossen muss man seit Huttens Abhandlung nicht mehr sagen, dass Herrschaftsrechte und Territorium, die der römische Imperator Konstantin angeblich dem Bischof von Rom vermachte, auf einer Fälschung beruhten.

Times mager

Die Schenkung

  • Christian Thomas
    VonChristian Thomas
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Eine der ganz großen Fake-Geschichten der Luther-Zeit: Die Sache mit der Konstantinischen Schenkung.

Wenn man Luther so zusieht, und das geschieht in diesem Lutherjahr den Umständen entsprechend besonders intensiv, dann lebt der Reformator nicht nur im Dauermodus von Buße und Gebet. Im Jahr 1517 glaubt er sich darin firm, Rom restlos zu durchschauen. Er nutzt dazu ein so traditionelles Medium wie den handgeschriebenen Brief. Doch auch die Neuerfindung des Buchdrucks bringt seine Meinung unter die Leute. Wenn Luther von „deutschen Landen“ spricht, geht er nicht etwa von einer vagen Vorstellung aus, sondern hat ein lesefähiges Publikum in einem fest umrissenen Verbreitungsgebiet vor Augen.

Es ist nicht erst Luthers Nachwelt, die daran geht, von Rom eine richtig schlechte Meinung zu haben. Für sein miserables Image gab Rom schon lange eine Vielzahl von Anregungen, so dass Widerwille und Empörung gegen das Römische keine Entdeckung der Lutherzeit sind, der Protest gegen die Papstkirche keine Erfindung der Frühen Neuzeit ist. Ende des zweiten Jahrzehnts des 16. Jahrhunderts kommt es schließlich zu so etwas wie der Wiederentdeckung eines ungeheuerlichen Rom-Dokuments – der wohl größten Fälschung der Geschichte bis dahin. Luther, darüber lesend, ist konsterniert.

Doch dabei bleibt es nicht, dabei belässt er es nicht. Er beherrscht es, sich nicht nur zu beherrschen. Worum geht es? Das wollen natürlich auch die Zeitgenossen wissen!

Im Februar 1520 publiziert der Humanist Ulrich von Hutten eine Ausgabe der Abhandlung über die „Konstantinische Schenkung“. Hutten verschafft der Entlarvung, die 1440 bereits der Italiener Lorenzo Valla vornahm, eine noch größere Resonanz. Dem einen oder anderen kritischen Zeitgenossen muss man von dem Tag an nicht mehr sagen, dass Herrschaftsrechte und Territorium, die der römische Imperator Konstantin angeblich dem Bischof von Rom vermachte, auf einer Fälschung beruhten.

Die Legende wurde um 800 in die Welt gesetzt – also rund 500 Jahre nach dem vermeintlichen Ereignis, mit dem der weltliche Herrscher die Herrschaft über Rom, über Italien, das römische Reich, überhaupt das Erdenrund angeblich dem seinerzeitigen Papst übertrug. Bis ins 15. Jahrhundert nutzte das Papsttum das Dokument für seine Hegemonieansprüche intensiv und extensiv. Wiederum fast 100 Jahre vergingen, bis ein Hutten und ein Luther den Anspruch der Papstkirche auf das Rom-Erbe allgemeinverständlich verneinten.

Heute, wiederum 500 Jahre später, gibt es keinen Konfirmanden, der in dieser Fake-Geschichte nicht firm wäre.

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