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„Frankfurt liest ein Buch“. Dieses Jahr: Eva Demskis „Scheintod“.
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„Frankfurt liest ein Buch“. Dieses Jahr: Eva Demskis „Scheintod“.

Times mager

„Scheintod“

  • Christian Thomas
    VonChristian Thomas
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In diesem Jahr liest Frankfurt in „Frankfurt liest ein Buch“ Eva Demskis „Scheintod“.

Eine Reaktion wie berechnet. Von einem Fremden an einem trostlosen Tresen angesprochen auf ihre schwarze Kleidung (etwa ein Trauerfall?) denkt „die Frau“, bevor sie antwortet, an ihr Gesicht. Noch bevor sie sagt, ihr Mann sei gestorben, „probierte“ sie, so erzählte es Eva Demski 1984, „ein Gesicht aus“. Eine abgerufene Reaktion. Auch eine angemessene? Wie aber sähe die aus?

Der Roman, den Demski damals veröffentlichte, „Scheintod“, war ihr dritter, im vergangenen Herbst wurde er ausgewählt für die Veranstaltung „Frankfurt liest ein Buch“. In der Sache geht es dabei immer um ein einziges, bei dem durch Lesungen und Diskussionen auf schon vor 20, 40, vor mehr als 100 Jahren veröffentlichte Bücher zurückgekommen wird, in denen auch Frankfurt sichtbar wird. Eine intensive Rückkehr in vormalige Verhältnisse; nie jedoch eine sentimentale Heimkehr – auch bei Demski nicht, handelt doch „Scheintod“ (Neuausgabe im Insel Verlag, 419 S., 20 Euro) von den ungeklärten Umständen des Todes eines Rechtsanwalts, von den Nachforschungen seiner Witwe in ihrer gemeinsamen Welt, seiner Halbwelt, einer Unterwelt auch. Unter Revolutionären oder Rauschgiftsüchtigen, für die er ebenso Anwalt war wie für Huren oder Heimzöglinge – auf deren Seite er sich schlug, im „Namen des Volkes“, konspirativ, anmaßend, gegen Staat und Gesellschaft. Was „die Frau“, die Witwe ihrer Schwiegermutter mit auf den Weg gibt, ist beunruhigend: „Ihr werdet ihn schon noch kennenlernen.“ Die Identität des Mannes also. Und geht es nicht auch um linksextreme Identitätspolitik?

„Frankfurt liest ein Buch“ hätte längst bereits stattfinden sollen, coronabedingt liegt die Veranstaltung noch in der Zukunft. Anfang Juli, so ist es geplant, soll „Scheintod“ zu einem Thema in der Stadt werden, einem öffentlichen. Einem brisanten? Auf jeden Fall wird man auch von einer „Stimme am Telefon“ hören: „Sind sie schon dagewesen? Hast du die Sachen?“

In der Sache geht es um den Fall des Frankfurter Juristen Reiner Demski, der mit „der Frau“, der späteren Autorin für einige Jahre liiert war. Im Roman „der Mann“, erzkatholisch von Haus aus, erzanarchistisch aus Überzeugung dann, wie man aus Demskis denkwürdigen Erinnerungen wissen kann, „Den Koffer trag ich selber“, 2017.

In der Sache ging es in „Scheintod“ um eine Liebe unter politisch aufwühlenden Umständen. In der Sache ist ein Roman verblieben, der einer Epoche der Bundesrepublik den Prozess macht, einer zynischen Zeit. Wie das Gesicht wahren?

Der Buchumschlag 2014 zeigte die beiden Demskis. Im Buch kommen sie unter die Deutschen.

Demnächst mehr.

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