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Schaum

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Von: Thomas Stillbauer

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Ein Riesenspaß für den Dreijährigen: Der ganze Inhalt des Badezusatzes passt in die Wanne!
Ein Riesenspaß für den Dreijährigen: Der ganze Inhalt des Badezusatzes passt in die Wanne! © imago

Sachlagen in der Wanne: Die Badezusatzflasche im Mickey-Mouse-Design kann zu Verwerfungen führen.

Sobald wir uns an Situationen gewöhnt haben, lieben wir Ausnahmesituationen. Es gibt sie in verschiedenen Varianten – welche davon wie gut ankommt, ändert sich im Lauf des Lebens.

So war es beispielsweise für den Dreijährigen ein riesiger Spaß, als er entdeckte, dass man nicht nur eine winzige Portion Badezusatz aus der Badezusatzflasche (Design: Mickey Mouse) ins Badewasser geben kann. Wie sich erstens herausstellte, passte sogar der gesamte Inhalt der Flasche in die bereits mit Wasser und einem Dreijährigen gefüllte Wanne.

Wie sich zweitens herausstellte, war die folgende Ausnahmesituation zwar für den Dreijährigen einer der größten Späße seines Lebens, nicht aber für die Erwachsenen, als sie sich durch das mit Badeschaum bis unter die Decke gefüllte Badezimmer hin zur Badewanne mit dem Dreijährigen gekämpft hatten.

Als Konsequenz durfte der Dreijährige (und später auch der Vierjährige) nie mehr allein mit einer Mickey-Mouse-Badezusatzflasche in eine Badewanne. Das wäre technisch ohnehin schwierig geworden, da die Großmutter mit dem Mann, der günstig an Mickey-Mouse-Flaschen herankam, alsbald in die Vereinigten Staaten auswanderte. Aber auch andere Badezusatzflaschen befanden sich fürs Erste außer Reichweite, wenn Badesituationen anstanden.

Schade. Prinzipiell gibt es durchaus ehemalige Dreijährige, die auch lange Zeit nach ihrer Dreijährigkeit immer noch gern in einem Badezimmer säßen, das mit Badeschaum bis unter die Decke gefüllt ist. Mit Badeschaum aus einer Mickey-Mouse-Flasche, um präzise zu sein. Seltsamerweise kam es trotzdem nie mehr zu dieser Ausnahmesituation, noch nicht einmal, als der ehemalige Dreijährige selbst über Badezimmer bestimmen durfte. Auch die Situation, die eintritt, wenn man versucht hat, eine ganze Badewanne auszutrinken, wiederholte sich nie. Sie endete aber auch deutlich unangenehmer als das Abenteuer mit dem Schaum.

Die Sachlage „Französischer Schauspieler flutscht auf langer Rutsche in Bottich mit grüner Kaugummimasse“ haben wir an dieser Stelle ja schon verhandelt. Sie bleibt ein ewiger Traum der Freunde und Förderer von Ausnahmesituationen. Darum wurden etwa Männerspielplätze mit Baggern und Planierraupen eröffnet. Es ist nicht dasselbe.

Echte Extremlagen in der echten Welt sind heute leider oft mit Ärger verbunden, sofern sie persönlicher Natur sind. Allgemeine, globale Ausnahmesituationen wirken dagegen offenbar entlastend auf den Einzelnen. Er kann, weil es nun etwas viel Größeres und Wichtigeres zu beobachten gilt, den ganzen Kleinkram ignorieren und seinen Restmüll in die Papiertonne schmeißen.

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