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Schaf links

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Von: Bernhard Honnigfort

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Ich mag Schafe und Schäfer.
Ich mag Schafe und Schäfer. © rtr

Syrienkonflikt? Terrorabwehr? Bessere Voraussetzungen für eine schaf- und ziegenfreundliche Infrastruktur!

Auch ich bin der Meinung, dass eine Regierung, welche auch immer, kontrolliert werden muss. Durch Parlament, Opposition, Verfassung, Gesetze und Gerichte. Und ich mag Schafe und Schäfer. Nur, damit das richtig verstanden wird. Nicht dass Sie die folgenden Zeilen in den falschen Hals bekommen und mich in irgendwelche dunklen Ecken stellen, bloß weil mir Angela Merkel gerade unendlich leid tut.

Ich verstehe nämlich, warum sich Falten und Grübchen immer tiefer eingraben in das Kanzlerinnengesicht. Alles soll die Frau reparieren und richten. Die Welt ist voller Krisen, in Amerika regiert ein Verrückter, über Deutschland ist gerade der Orkan Friederike weggefegt, die SPD fummelt an der Selbstzerstörungstaste herum, die Chinesen wollen unseren Plastikmüll nicht mehr, in Bayern zieht ein Söder auf. Und der Tag hat nur 24 Stunden.

Und dann Kirsten Tackmann. Sie ist Bundestagsabgeordnete der Linken aus Brandenburg, promovierte Tierärztin, kennt sich aus mit dem Rinderbandwurm. Sie ist der Ansicht, dass die Bundesregierung „unverantwortlich“ handelt und hat „einen erschreckenden Realitätsverlust“ diagnostiziert. In Deutschland fehlen nämlich Schäfer und Merkel, die alte Nuss, hat mal wieder nichts auf die Reihe gekriegt, um das zu ändern. 20 bis 30 ausgebildete Schäfer im Schnitt pro Jahr. Es gibt aber 101 offene Stellen. „Und das ist nur die Spitze des Eisbergs.“

In Deutschland fehlen Kindergärtnerinnen, Erzieherinnen, Altenpfleger, Krankenpfleger, Landärzte, Facharbeiter, Wissenschaftlerinnen, Polizeianwärter, Lehrer, Referendare, GSG-9-Nachwuchs, Managerinnen, Bauarbeiter, Schließer, Busfahrer, Zahnarzthelferinnen, Jungbauern, Frisöre, Rettungssanitäter, Feuerwehrleute, Bäckereifachverkäufer … Aber lassen wir das.

Natürlich braucht Deutschland Schafe. Wir mögen sie, wenn sie mit fragendem Blick auf Wiesen stehen und uns beim Vorbeiradeln freundlich zublöken. Wenn sie auf Deichen herumlaufen, das Gras kurz halten und die Norddeutschen vor Flutkatastrophen beschützen. Schafe sind super. Und natürlich muss sich jemand um sie kümmern.

Worum ich Frau Tackmann und ihre Partei bitten möchte, ist etwas weniger oppositioneller Alarmismus: Dass die Bundesregierung sich nicht voll und ganz den Problemen der Schafhaltung zugewandt hat, könnte ja auch daran liegen, dass 101 offene Schäferstellen auf der Agenda dieses Staates momentan nicht ganz so weit oben stehen wie der Syrienkonflikt, Antisemitismus, Terrorabwehr, Breitbandkabel oder die Integration von Tausenden Flüchtlingen. Vielleicht liegt es auch am wirren Trump, der Merkel um den Schlaf bringt. Sollte der einmal abtreten, hat die Bundesregierung (wer auch immer das dann ist) auch wieder mehr Zeit für Tackmann-Themen: „Bessere Voraussetzungen für eine schaf- und ziegenfreundliche Infrastruktur“ und den Kampf um die „Wiedereinführung der Mutterschafprämie bei der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU.“

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