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An deutschem Klimadreck ist immerhin noch keiner gestorben, wohingegen bei den Amis...

Times mager

Schadstoffe

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Herrlich, wie jetzt argumentiert wird in Sachen VW und Abgaskontrolle: Erstens: An deutschem Klimadreck ist noch keiner gestorben. Zweitens: Ihr Amis seid ja noch viel dööfer!

Es ist für uns Deutsche immer wieder beruhigend, wenn wir zwischendurch hören, in was für einem schönen Land wir leben. Stellen Sie sich einen sonnigen Sonntag vor, an dem Ihnen unvermittelt die neuesten Worte des Bundespräsidenten zu Ohren kommen. An dem er endlich unseren Flüchtlingen erläutert, wo sie gelandet sind: „Land der Freiheit und der Menschenrechte“, hat er gesagt! Und, fast noch schöner: „Land der Zuversicht“.

Was Joachim Gauck mit Freiheit meint, ist ja hinlänglich bekannt („...reimt sich auf Freihandel“), nämlich vor allem das Menschenrecht auf Unternehmertum. Und deshalb erinnerte uns die Rede auch gleich an VW sowie die bundesweit unbekannte Zeitung „Schleswig-Holstein am Sonntag“.

Endlich Ehrenrettung

Die hatte, es war in den Pressestimmen zu hören, endlich mit der Ehrenrettung unseres großen Volksunternehmens begonnen: „Durch manipulierte Abgaswerte ist kein Mensch körperlich verletzt worden. Die defekten Zündschlösser des US-Wettbewerbers GM führten zu 174 Toten und wurden mit einer Strafe von 900 Millionen Dollar geahndet. Und nun soll VW für geschönte Emissionswerte, die einzig politisch gesetzt sind, das Zwanzigfache bezahlen? Zudem: Ginge es den Amerikanern wirklich um Umwelt und Gesundheit, dann sollten sie erst einmal zig Millionen Altfahrzeuge effektiven Kontrollen unterziehen.“

Ach, herrlich! Erstens: An deutschem Klimadreck ist noch keiner gestorben. Zweitens: Ihr Amis seid ja noch viel dööfer!

Es sei hier gestattet, diese klugen und richtigen Gedanken um einige wenige Aspekte zu erweitern. Warum eigentlich ist noch kaum jemandem aufgefallen, welcher Ingenieurskunst es bedarf, bis ein Auto weiß, ob es gerade getestet oder auf der Straße herumgefahren wird? Kann diese Form vollendeter Abgaskontrolle woanders erfunden worden sein als im Lande von Gottfried Daimler und Ferdinand Porsche?

Und weiter: Entgegen unhaltbaren Unterstellungen trägt deutsche Ingenieurskunst in aller Regel zur Minderung von Schäden bei. Das sieht man nicht nur bei Volkswagen – um die Abgaskontrolle zu manipulieren, muss man sie schließlich haben, wer denkt daran? –, sondern zum Beispiel auch bei Heckler und Koch. Hier ist es gelungen, den Schadstoffausstoß ganzer Familien von Gewehren durch Minderung der Schießfähigkeit nachhaltig zu senken, ohne dass Politik und Medien dafür je ein Wort des Dankes gefunden hätten.

Wenigstens ein Jemenit, an dem die Saudis vorbeigeschossen haben, hätte ja mal eine Postkarte schreiben können.

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