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Vanillekipferl liegen am 06.12.2017 in Berlin auf einer roten Serviette. Die Zutaten für Weihnachtsgebäck sind im Vergleich zum letzten Jahr teurer geworden.
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Vanillekipferl liegen am 06.12.2017 in Berlin auf einer roten Serviette. Die Zutaten für Weihnachtsgebäck sind im Vergleich zum letzten Jahr teurer geworden.

Times mager

Saugpapier

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Jahreszeitgemäß rückt die Küche in den Mittelpunkt des Geschehens. Das liegt nicht jedem.

Wer nicht so kochbegeistert ist, hat trotzdem lebhafte Tage. Vanillekipferl wollen geformt werden, vielleicht brät der eine oder andere eine Gans. Gäste stehen ins Haus, wenn auch selbstredend wenige, sehr wenige, so gut wie keine. Die Küche wird damit auch von Außenstehenden stärker frequentiert als gewöhnlich, obwohl oder weil sie längst ein hipper Ort geworden ist, an dem Dinge geschehen, die sich weniger kochbegeisterte Personen gar nicht ausmalen können. Sie wollen es sich ehrlich gesagt auch gar nicht ausmalen. Das einzige, was ihnen zur Küche einfällt, sind notorische Beratungsgespräche an jenem Tisch, den ihre eigene Küche ohnehin nicht hat.

Jetzt jedoch greifen sie stoisch nach der Saugpapierrolle, weil die Schokoladenglasur für das Spritzgebäck überkocht. Auf dem Saugpapierblatt sind überraschenderweise Blättchen, Beerchen und Früchtchen abgebildet, Lebensmittel, die man offensichtlich mit Saugpapier abtupfen könnte. Sieh an, wer kauft denn so etwas? Etwa ich? Dazu nun noch der Schriftzug: „Let’s talk about happy things“ und, ein Blatt weiter, der Schriftzug: „be kind to your body“. Donnerwetter.

Die Aufforderung, über fröhliche Dinge zu sprechen und nett zum eigenen Körper zu sein, kann, je nach Naturell und Situation, zu einem depressiven Schub führen. Das mag mit der vorausgegangenen Spritzgebäckproduktion zusammenhängen, denn die Herstellung von Spritzgebäck ist eine der Plagen der Menschheit. Und das Spritzgebäck selbst ist zwar Lohn für größte Mühen, aber nur, wenn am Ende je ein Zipfel mit Schokolade bestrichen wird, dunkler Schokolade. Wie auch immer.

Wahrscheinlicher ist, dass es mit der Platzierung der lebenszugewandten Aufforderungen zu tun hat. Es ist etwas Gutes, über fröhliche Dinge zu sprechen und nett zum eigenem Körper zu sein. Hätte das auf einem Bierglas gestanden, wäre es lustig, auf einem Buch schön blöd, aber unterhaltsam. Auf einer Rolle Saugpapier erinnert es daran, wie Betty Draper angesichts solcher Worte auf ihrer eigenen Saugpapierrolle in ihrer eigenen einsamen Küche gewiss in Tränen ausgebrochen wäre. Betty Draper, die Frau des schönen, aber problematischen Don Draper, die adretteste und unglücklichste unter den adretten und unglücklichen amerikanischen Vorstadthausfrauen. In einer anderen Welt, in einer anderen Zeit. Natürlich kann keiner Betty Draper leiden. Aber welche Zuschauerin der Serie „Mad Men“ hat sich nicht irgendwann in ihr gespiegelt und erschrocken.

Damit wollte man womöglich nie etwas zu tun haben und steckt auf einmal mittendrin. Da eine Saugpapierrolle nützlich und das Leben anderer kaum zu beurteilen ist, dürfte es sich um Projektionen handeln. Aber das ist, na klar, Küchentischpsychologie.

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