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Times Mager

Sauer werden

In der Finanzkrise melden die Hersteller von Süßigkeiten reißenden Absatz. Der Bedarf an Serotonin- Ausschüttung will gedeckt sein. Andere Branchen können profitieren. Von Judith von Sternburg

Auf der Treppe des von alleinstehenden Angestellten bewohnten Mietshauses stand tagelang ein unzeitgemäßer Panettone wie geliefert und nicht reingetragen. Er enthält nicht genug Zucker, um eine Tüte Treets zu ersetzen oder ein Nusstörtchen aus dem Café Blum (o süße Kindheit), verschwand aber dann doch. Erstens könnte hier ein Satz des österreichischen Urgroßvaters mütterlicherseits greifen, der nach der Torte zu sagen pflegte: "Und jetzt einen herzhaften Gugelhupf." Zweitens nimmt man eben, was man kriegt.

Denn die Finanzkrise hat nicht nur zur Folge, dass der Markt für Wollmäntel in gedeckten Tönen sich erholt. Auch Hersteller von Süßigkeiten melden reißenden Absatz. US-Zeitungen schildern Szenen, in denen Dutzende Aushilfskräfte permanent die Bonbongläser nachfüllen. Auf der anderen Seite grabscht die Kundschaft jedes Bonbon, das sie zu fassen kriegt. In Gegenden, in denen Angestellte der Finanzbranche arbeiten oder wohnen, soll der Verkauf von Süßigkeiten bis zu 80 Prozent gestiegen sein. Die Käufer bevorzugen, was preiswert (logisch) und schon ewig auf dem Markt ist (Tootsie Roll Pops, seit 1931, Snickers, seit 1930 - Erfolgsprodukte der Großen Depression!). Daraus kann man schließen, dass neben dem Bedarf an Serotonin-Ausschüttung und dem Sich-gehen-Lassen Erinnerungen im Spiel sind.

Dabei könnte das auch anderen Märkten helfen. Alle werden zu dick und brauchen neue Kleider und vielleicht sogar neue Autos und neue Fernsehsessel. Dann kaufen sich alle Nordic-Walking-Stöcke und vielleicht sogar Molke und Jahreskarten für Turnvereine. Dann kaufen sich wieder alle Süßigkeiten. Dann kaufen sich wieder alle neue Kleider und vielleicht sogar neue Autos und neue Fernsehsessel. Und so weiter.

Während aber bei den Süßwarenherstellern die Sektkorken knallen und der Kauf eines Eigenheims ins Blickfeld rückt - also weitere Branchen profitieren -, warnen Fachleute vor den gesundheitlichen Folgen. Schon verliert die Sache an Fahrt. In der EU wird über ein Werbeverbot für Kindersüßigkeiten diskutiert. London erwägt eine Schokoladensteuer. Das ist ja sicher alles richtig. Und doch kann es einem bisweilen vorkommen, als lebte man in einer Welt der Spielverderber. Menno.

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