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Sasa Stanisic, Schriftsteller aus Bosnien und Herzegowina, aufgenommen während eines Senatsfrühstückes zu seinen Ehren. Der Autor erhält für seinen Roman „Herkunft“ den diesjährigen Usedomer Literaturpreis.
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Sasa Stanisic, Schriftsteller aus Bosnien und Herzegowina, aufgenommen während eines Senatsfrühstückes zu seinen Ehren. Der Autor erhält für seinen Roman „Herkunft“ den diesjährigen Usedomer Literaturpreis.

Times Mager

Literatur-Übersetzungen: Videokonferenz mit Sasa Stanisic in zehn Sprachen

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Online-Lesekreis: Zehn Übersetzerinnen von „Herkunft“ sprechen mit Literatur-Autor Sasa Stanisic über sein Buch und Sprache. Eine zauberhafte Situation.

Schwer zu sagen, was an diesem Videogespräch das Beste ist. Saša Stanišic und zehn Übersetzerinnen seines Buchs „Herkunft“ sprechen zum Beispiel über das Wort „Herkunft“. Die Übersetzerinnen haben verschiedene Überlegungen und Vorschläge, in den ex-jugoslawischen Sprachen gibt es natürlich Ähnlichkeiten, man versteht sich leichter.

Dann kommt die indische Kollegin mit dem Sanskritwort, das ihr eingefallen sei. Wenn sie es ausspricht (es ist dunkel und einfach), muss es jedem anderen auch gefallen. Darin stecke die Frage „Wer bin ich?“, es sei ein philosophisches Wort.

Literatur: Sanskrit-Übersetzung von „Herkunft“ zeigt das Vermögen von Sprache

Und bevor Stanišic seiner Begeisterung Ausdruck gibt (denn „Herkunft“ dreht sich ohne Unterlass um diese Frage), kann man sich einbilden, dass für den Bruchteil einer Sekunde Schweigen und Respekt zwischen den Videokacheln herrscht. Das Schweigen und der Respekt gegenüber einer anderen, uralten und aus Sicht einer harmlosen „Siddhartha“-Leserin ehrfurchtgebietend durchgeistigten Sprache. Die trotzdem offenbar Brücke sein kann, um von Mumbai aus einen Jungen aus Višegrad zu verstehen.

Die Übersetzerinnen fragen auch nach dem Wort „Aussiedler“, schwierig, weil so „spezifisch deutsch“. Alle haben dabei die Ruhe weg, auch Stanišic, dem klar ist, dass es kein anderes Wort dafür gibt, aber die Übersetzerinnen ein anderes übersetzen müssen. Flüchtling, etwas in der Art.

Alle lesen in ihren jeweils eigenen Sprachen einige Sätze vor, darunter diesen: „Jedes Zuhause ist ein zufälliges: Dort wirst du geboren, hierhin vertrieben, da drüben vermachst du deine Niere der Wissenschaft.“ Ein großer Moment.

Identität und Sprache in der Literatur: Debatte über Herkunft von Übersetzer:innen

Es wäre zu kurz gegriffen, die eine Übersetzerinnen-Diskussion gegen die andere auszuspielen: das „20. Straelener Atriumsgespräch“ über „Herkunft“, in dem allein das Vermögen der Sprache zur Rede steht und die eigene Identität zwar immer da ist, aber eben gerade zurücktritt und zurücktreten will vor dem reflektierten Hineindenken in die Identität eines anderen; gegen die wohlgemerkt noch nicht mit den Texten selbst befasste Debatte über eine Übersetzung von Amanda Gormans Gedichten ins Niederländische, wobei Marieke Lucas Rijneveld die entsprechende Kompetenz abgesprochen wurde, aber nicht weil sie zum Beispiel über keine weiter reichende Erfahrung beim Übersetzen von Gedichten verfügt.

Zwei ganz unterschiedliche Geschichten, aber immerhin geht es jeweils um Identität und um Herkunft. Die sympathische Hinwendung zwischen den Übersetzerinnen und Stanišic, Fremden, die sich verstehen, indem sie schreiben, lesen, sprechen, zuhören: Lassen Sie sich das unter euk-straelen.de nicht entgehen. (Judith von Sternburg)

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