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Harry Nutt.
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Harry Nutt.

Times Mager

Sarrazin II

  • Harry Nutt
    VonHarry Nutt
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Die zweiten Sarrazin-Debatte dreht sich nicht um Thilo, sondern um dessen Frau Ursula. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie nun eine gute oder eine schlechte Pädagogin ist. Denn hier werden unentwegt Geschichten von Stigma und Selbststigmatisierung reproduziert.

Während Thilo Sarrazin weiter damit befasst ist, seine postpolitische Karriere über Interviews und Lesungen zu organisieren, ist eine neue Sarrazin-Debatte ausgebrochen und hat die Berliner Schulpolitik erfasst. Es geht dabei um die Frage, ob Ursula Sarrazin, Grundschullehrerin und Ehefrau des Ex-Senators, für eine weitere Ausübung ihres Berufs noch tragbar ist. Die Liste der Vorwürfe ist lang. Ursula Sarrazin soll Schüler drangsaliert und gedemütigt haben. Bereits 2001 habe sie einem Schüler mit der Blockflöte auf den Kopf gehauen. In jüngerer Zeit soll sie einen Schüler als „armseliges Opfer“ bezeichnet haben.

In der Öffentlichkeit gibt es zwei Lesarten der Affäre. In der einen wird Ursula Sarrazin als schreckliche Lehrerin beschrieben. In Interviews gibt sie sich dazu entsprechend unerbittlich, bisweilen hart an der Grenze zur so genannten schwarzen Pädagogik. In einer anderen Lesart reüssiert sie als engagierte Pädagogin, die vor allem wegen der Thesen ihres Mannes zum Gegenstand einer öffentlichen Auseinandersetzung wird. Ursula Sarrazin als Opfer einer Art medialer Sippenhaft.

In der normalen Schulöffentlichkeit dürfte es nicht ganz leicht sein, derlei Vorwürfe zu bewerten. Angesichts der erhitzten Sarrazin-Debatte scheint es aber unmöglich herauszufinden, ob eine Lehrerin in der Ausübung ihres Berufes zu weit gegangen ist oder ob sie ein Opfer ihrer zweifelhaften Prominenz ist. Unentwegt werden beinahe zwangsläufig Geschichten von Stigma und Selbststigmatisierung reproduziert.

An ihnen zeigt sich nicht zuletzt auch die Überforderung der Institution Schule. Immer häufiger werden gesellschaftliche Konflikte in sie hineingetragen, die sie kaum bewältigen kann. Besonnenheit und Nachsicht wären jetzt hilfreich. Sie waren zuletzt aber nicht Sache der Sarrazins. Sie haben sich eingerichtet in einer feindlichen Welt und sich mit ausgeprägter Medienkompetenz gewappnet. Ursula Sarrazin hat sich die Opferrolle ihres Mannes zu eigen gemacht, um schwerwiegende Vorwürfe zu neutralisieren. Sie zieht sich das Stigma ihres Mannes als Schutzfolie über. Was nun in die Öffentlichkeit getragen wird, ist Stigmapolitik.

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