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Samstag

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Von: Judith von Sternburg

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Der Samstag vor Heiligabend: Tag für die Zimtsternbäckerei.
Der Samstag vor Heiligabend: Tag für die Zimtsternbäckerei. © Julia Imo/imago

Der letzte Samstag vor Heiligabend, ein wichtiger Tag. Besser wäre, jetzt ginge alles viel schneller. Oder viel langsamer.

Der letzte Samstag vor Heiligabend ist der letzte Samstag vor Heiligabend, selbst wenn Heiligabend am Freitag ist. Jetzt wird es eng. Der Samstag vor Heiligabend ist also der Tag für die Zimtsternbäckerei, für den gemütlichen Einkaufsbummel mit Kaffeetrinken in dem Café, in dem die Bedienungen eine Woche vor Weihnachten anfangen, Engelsflügelchen und Plüschheiligenscheine zu tragen, für den Gang zur Post, um die Pakete aufzugeben, die man noch packen muss, deren Inhalte man auch noch einkaufen muss, für den Weihnachtsmarkt in Bad H. (Familientradition), in W. (so schön da, und man kommt nächste Woche nicht mehr dazu) und in M. (seit Jahren vorgenommen, diesmal muss es klappen), für den ersten Lebensmitteleinkauf Richtung Festtage, die Sachen, die eh haltbar sind. Nachmittags dann endlich mal wieder in Ruhe lesen, Serie gucken und ein Adventskakao, denn morgen, am Sonntag, wird es aus verschiedenen Gründen wieder eng.

Nicht ohne Grund sind es zwei, so nur im Film gebotene Varianten zeitlicher Abläufe, die uns hier in der dreidimensionalen Welt neidisch machen. Das eine ist die Beschleunigung. Mag es noch so lange dauern, wird mit Hilfe des Schnelllaufs alles rasend, die Zimtsterne fliegen nur so, die Geschenke purzeln einem aus den Regalen entgegen, im Café flitzen die Engel, um einem zum Kaffee rasch noch ein Hörnchen zu bringen (ist ja noch früh), in der Post pulverisiert sich die Schlange, die Weihnachsmärkte ein großer Spaß mit kurzen Wegstrecken, der Supermarkt dauert insgesamt bloß fünf Sekunden. Fürs Lesen und Kakaotrinken wird es dann wieder entspannter.

In der Serie dann: die Entschleunigung bar aller Logik. Aber schön. Sonja backt Zimtsterne zu weihnachtlicher Musik, als Claudia anruft und mit ihr über Sven reden will. Schon sieht man die beiden durch die Einkaufszone schlendern – es schneit, aber nur ein bisschen –, Sonja hat den Weg schon nutzen können und zwei, drei hübsche Einkaufstüten über dem Arm, wertig, zugleich federleicht. Im Café erzählt ihr Claudia, dass sie Sven nicht mehr liebt, in einer Schlange vor der Post hat Sonja genau so viel Zeit, wie sie braucht, um dies Virginia am Telefon zu erklären, woraufhin sie mit ihr und Sven auf einem Weihnachtsmarkt Glühwein trinkt und berät. Auf einem zweiten Weihnachtsmarkt küsst sie Mark. Den dritten lässt sie einfach weg. Mit großen Stofftaschen aus dem Supermarkt kommt sie gerade noch rechtzeitig nach Hause, um in einem Buch zu lesen, als Tom zum Kakaotrinken auftaucht. Aber wer ist jetzt Tom?

Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie das berühmte Mittelmaß, in dem sich unser Leben außerhalb einer schicken Filmrolle abspielt, doch suboptimal ist.

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