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Kaum zu glauben, dass das so funktionieren soll. Tony Curtis zersägt Janet Leigh in „Houdini“ (1955).
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Kaum zu glauben, dass das so funktionieren soll. Tony Curtis zersägt Janet Leigh in „Houdini“ (1955).

Times mager

Sägewerk

  • Judith von Sternburg
    vonJudith von Sternburg
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Wenn Frauen schon das Wahlrecht haben, dann sägt sie wenigstens auseinander: Ein Zaubertrick wird hundert Jahre alt.

Der Zaubertrick der „durchgesägten Jungfrau“ kann Jungfrauen durchaus Unbehagen bereiten, denn auch das relativ (s. u.) verlässliche Happy End dieses Zauberkunststücks macht nicht wett, was zuvor passiert ist: Die Jungfrau ist unter dem Applaus des behaglich neugierigen und im Kollektiv vor jeder Art von Bloßstellung oder gar Durchsägung geschützten Publikums zweigeteilt worden, vermutlich von einem Gentleman mit Bärtchen und Zylinder. Man will und soll sich da nicht so haben, da es bloß ein Teil der U-Branche ist. Aber es ist trotzdem eine Frechheit.

Sie wurde übrigens in besonders aufgewühlten Momenten auch für Mord gehalten. Als die BBC im April 1956 in einer Show zeigte, wie der indische Zauberer Sorcar eine in Trance versetzte Teenagerin (Assistentin Dipty Dey) langwierig zersägte, herrschte vor den Bildschirmen blankes Entsetzen. Denn Mr Sorcar – der an dieser Stelle zwar gewissermaßen die übelsten Vorurteile gegen Orientalen bediente, aber auch energisch ins westlich orientierte Zauberbusiness vordrang und nach der Show erfreulicherweise nur mehr ausverkaufte Vorstellungen verzeichnete – kannte kein Pardon. Traurig schüttelte er zum furiosen Finale den Kopf und bedeckte das Gesicht der jungen Frau mit einem schwarzen Tuch. Die Show wurde „abgebrochen“. Natürlich ist das Beste daran, dass anschließend zahllose Menschen bei der Polizei anriefen, um einen Mord zu melden. Dieses unbändige Bedürfnis, eine Meldung zu machen, wenn der Fall Scotland Yard doch keinesfalls entgangen sein kann.

Vor fast genau 100 Jahren, am 17. Januar 1921 kam es erstmals zum Säge-Zauberkunststück, und es gibt Gründe anzunehmen, dass der Erfinder dieses Spaßes, der namhafte englische Zauberkünstler PT Selbit (eigentlich Percy Thomas Tibbles), die unverschämte Seite seines Tricks direkt im Blick hatte. Der britische „Guardian“ berichtet anlässlich des kommenden Jahrestags, dass PT Selbit die bekannte Suffragette Christabel Pankhurst einlud, den Part der Durchgesägten in seiner Nummer zu übernehmen. Dem Publikum, vermutet die Zeitung, sei das extrem witzig vorgekommen. Miss Pankhurst sagte ab.

Zeichnungen, die einen Eindruck davon vermitteln sollen, wie der Trick funktioniert, sind ernüchternd. Letztlich geht es für die Frauen anscheinend darum, biegsam zu sein, wobei von Freiwilligen natürlich weniger Aufwand erwartet wird als von den Profis. Von Zweiteren müssen sich ein bis zwei auf engem Raum verstauen können.

Kaum zu glauben, dass das so funktionieren soll und dass hier draußen tatsächlich niemand etwas davon merkt. Vermutlich ist doch mehr dahinter. In den Zirkus müsste man auch einmal wieder ganz dringend.

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