Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Nacktheit? Nichts für die Augen des Gastes aus dem Iran.
+
Nacktheit? Nichts für die Augen des Gastes aus dem Iran.

Times mager

Ruhanis Deal

  • Christian Thomas
    VonChristian Thomas
    schließen

Antike Statuen, die verhüllt sind, um den Gast aus dem Iran nicht zu verschrecken. Das löste in Italien leidenschaftliche Reaktionen aus.

Dem iranischen Präsidenten ist in Italien ein sehr entgegenkommendes Willkommen bereitet worden, von Politikern des Landes ebenso wie vom Papst. Aus dem Protokoll geht hervor, dass die Begegnung zwischen Ruhani, dem Repräsentanten einer Religion, und dem Papst, dem Repräsentanten einer konkurrierenden Religion, in herzlicher Atmosphäre stattgefunden habe, trotz der von Franziskus angesprochenen Themen, darunter der Einhaltung der Menschenrechte und Religionsfreiheit.

Die himmelschreienden Missstände im Iran wurden in privater Audienz angesprochen. Korrespondenten haben betont, dass diese Themen deutlich ausgesprochen wurden – und in diesem Zusammenhang unmittelbar anschlussfähig ist der Umstand, dass der Besuch, das Politikum, der Auftakt der Europatour Ruhanis zur Aufnahme milliardenschwerer Handelsbeziehungen, kulturell eingebettet wurde durch einen Besuch in den vatikanischen Museen, in denen man es allerdings für angebracht hielt, mehrere antike Statuen zu verhüllen, auf dass sich der Gast nicht an deren Nacktheit stoße.

Allein die Tatsache der Verhüllung hat im Parteienspektrum Italiens leidenschaftliche Reaktionen ausgelöst. Die eine oder andere rechtsextreme Stimme hat den hochnotpeinlichen Akt der Schonung der Gefühle des Gastes zum Anlass genommen, um einmal mehr die vermeintliche Feigheit des Abendlandes anzuprangern. An diesen Pranger der Feinde demokratischer Errungenschaften wurde jedoch immer schon unter besonderen Wonnen die Kunstfreiheit genagelt, insofern ist diese Kritik, wie stets, heuchlerisch und bigott.

Dennoch, der Akt der Verhüllung im Vatikan wird Kreise ziehen, er wird im kulturellen Gedächtnis haften bleiben, wenn die Tinte unter den milliardenschweren Deals für Flugzeuge, Öl, Waschmaschinen, für PKWs oder Handys längst trocken ist.

Das Atomabkommen in Wien hat eine neue Euphorie ausgelöst, und besonders robust ist der tiefe Glaube an eine neue Ära erfolgreicher Wirtschaftsbeziehungen zwischen Europa und dem Iran. Gut, dass dieser Atomdeal endlich ratifiziert wurde, auch wenn, wie sich jetzt in Rom gezeigt hat, in ihn offenbar Gesetze ungeschrieben eingegangen sind. Aus westlicher Sicht sind diese Gesetze fundamental unannehmbar. Für ein liberales Kunstverständnis stellt sich die Geste (Toleranzofferte) gegenüber dem Gast dar als Zumutung. Sie lässt das westliche Grundrecht auf Kunstfreiheit wie nackt dastehen. Die Halbwertzeit auch dieser Affäre mit dem religiösen Empfinden des Islam dürfte beträchtlich sein.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare