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Rückruf

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Von: Lisa Berins

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An dieser Wand war mal ein Gemälde von Banksy.
An dieser Wand war mal ein Gemälde von Banksy. © Maxym Marusenko/Imago

Ein Banksy-Werk in der Ukraine verschwindet, der Übeltäter wird gefasst. Vielleicht war es gar kein Diebstahl?

Immer wieder diese Fehler, über die man sich im Nachhinein ärgert. Die dann aber schon veröffentlicht sind. Die man schlecht zurücknehmen kann, weil sie schon in der Welt sind, Schwarz auf Weiß, Weiß auf Schwarz, oder in Farbe, auf Farbe, ist auch egal. Es ist jedenfalls zu spät, und man kann es schlecht ungeschehen machen. Oder? ...

Naja, vielleicht sieht’s auch keiner. Vielleicht aber doch.

Wenn wir uns zum Beispiel dieses Graffiti von Banksy kritisch anschauen, dieses eine der sieben, die im Winter in mehreren Städten der Ukraine auf durchschossenen Wänden aufgetaucht sind. Dieses eine in Hostomel mit der Frau im Bademantel, Lockenwicklern, rotem Feuerlöscher in der Hand und Gasmaske im Gesicht – mal rangezoomt: Sind diese Pantoffeln der Frau nicht etwas arg schnell und nachlässig dahingetuscht? Und das Motiv – generell vielleicht etwas zu abgeschmackt – also, für das perfektionistische Auge, versteht sich.

Das Werk mit der Lockenwicklerfrau wurde vor kurzem gestohlen, der Dieb dingfest gemacht. Er hatte wohl Leute angequatscht, ihm zu helfen, das Bild zu entfernen und dreist behauptet, eine Genehmigung dafür zu haben, und dann – was geschah dann? Welches Gerät braucht man, um ein Graffiti aus einer Wand mitsamt des Putzes herauszulösen? Wahrscheinlich hat’s Krach gemacht. Die Aktion wurde bemerkt, die Polizei schlug auf. Der Dieb: ein 32-jähriger Mathematiker und Umweltaktivist aus Kiew, der angeblich das 250 000 Dollar teure Werk vor dem Abbruch des Hauses retten wollte. Jetzt drohen ihm bis zu zwölf Jahre Haft.

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Banksy-Werk gestohlen, entführt, aus Mauern herausoperiert, mitsamt Untergrund (einer Metalltür des Pariser Bataclan zum Beispiel) entwendet wurde. Oft tauchen die Werke wieder auf, aber was ist mit denen, die auf Nimmerwiedersehen verschwinden? Der Deal auf dem Schwarzmarkt: äußerst risikoreich.

Was also, wenn … sie vom Meister selbst zurückgerufen werden?

Mögliches Szenario: Eines schönen Morgens in Bristol, Banksy schlürft einen Löffel Müsli und scrollt durch seinen Insta-Account. Dann sieht er ihn: DEN Makel. Verdammt, die Spraydose leckte, Schablone verrutscht – da kann einiges schiefgehen, wenn man nachts, im Dunkeln, unerkannt an großer Kunst arbeiten muss. Zum Ausbessern zurückkehren – für einen anonymen Sprayer unmöglich; Enttarnungsgefahr. Was tun? Die Kunst entfernen! Jemanden engagieren, der … Ach was, nein, das ist aber jetzt an den Haaren herbeigezogen. Andererseits; es kann einen ja wirklich wurmen - und ist ausradierte Kunst nicht doch besser als fehlerhafte?

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