Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Times Mager

Roter Brief

  • Christian Thomas
    VonChristian Thomas
    schließen

Vorurteile sind sehr, sehr hartnäckig, weiß Christian Thomas. Vor allem die Deutsche Post kämpft nun schon länger gegen viele davon an.

In ganz bestimmten Gegenden Deutschlands, heißt es vor allem außerhalb dieser Gegenden, frisieren die Friseure mit der Kraut-und-Rüben-Maschine, operieren die Ärzte mit dem Lötkolben und erziehen die Pädagogen mit der Brechstange. Man muss dann nicht in Castrop Rauxel, Bitterfeld oder Offenbach wohnen, um es anders zu empfinden, um also einzuwenden, dass das nicht stimme, dass das ein Vorurteil sei, und zwar nicht etwa nur gegenüber Friseuren, auch gegenüber Offenbach, zum Beispiel.

Auch die Institution, die früher als Post einen Namen hatte, kämpft nun schon länger mit vielerlei Vorurteilen, einige sind, obwohl nicht begründet, durchaus rational erklärbar. In der Tat aber ist es kein Gerücht, dass der zuletzt enorm durchrationalisierte Dienstleister sein Briefwesen neu sortiert, das betrifft nicht allein Größe und Gewicht eines Briefes. Über die Identität des Standardbriefs entscheidet auch die Farbe.

Man würde vom Thema abschweifen, wenn man an dieser Stelle erneut die systematische Entwertung des Briefes durch die neuen Kommunikationstechniken beklagte, und welchen Anteil an dieser Entwicklung, Schritt für Schritt, auch das Nachfolgedienstleistungsunternehmen der Post hat. Die Kommunikation mit dem PC verlangt nicht mehr danach, dass Papier noch gefaltet werden kann. Kein Eintüten mehr, kein Beinevertreten mehr. Undenkbar für den PC-User der Satz, er wolle noch mal eben frische Luft schnappen, um dann auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden. Briefverkehr bereicherte, allein schon haptisch. Um den Brief war stets ein Geheimnis, ein Restrisiko, das begann bereits beim Standardbrief.

Heute muss dieser, nachdem auch das Briefverteilungswesen neu geordnet wurde, weiß sein, zumindest von sehr heller Farbe, um von den Sortiermaschinen verarbeitet werden zu können. Denn da auch Maschinen und nicht nur Menschen unterschiedlich begabt sind, können Maschinen rote Briefumschläge nicht "lesen". Die Folgen sind enorm, angefangen von einem höheren Porto für rote Briefe, was gewiss Vorurteile gegenüber dem Dienstleister schürt, der im Logo, darin zuverlässig, das alte Posthorn führt.

Wegen dieser Vorurteile noch rasch die Frage, ob es stimmt, dass Briefe mit der Kraut-und-Rüben-Maschine gelesen werden, und ob sie zukünftig mit einem Lötkolben frankiert und mit dem Brecheisen gefaltet werden müssen?

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare