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Schon der noch lebende Komponist verschenkte wohl manche Strähne, wie es seinerzeit üblich war. Glücklicherweise hatte er davon reichlich.
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Schon der noch lebende Komponist verschenkte wohl manche Strähne, wie es seinerzeit üblich war. Glücklicherweise hatte er davon reichlich.

Times mager

Roll over B.

  • Judith von Sternburg
    vonJudith von Sternburg
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Kaum war die Berühmtheit aufgebahrt, schnitten ihr fremde Hände eine Haarlocke ab. Eine landete auch in Frankfurt.

Es wäre sicher übertrieben zu sagen, dass es so viele Haarlocken Ludwig van Beethovens wie Kreuzsplitter auf der Welt gibt. Aber es kommt etwas zusammen und ist auch etwas wert. Eine relativ nachweislich echte Strähne wurde 2019 auf einer Londoner Auktion für umgerechnet etwa 39.000 Euro versteigert. Über das berüchtigte Windei Anton Schindler dürfte die goldfarben gerahmte Locke nach Frankfurt gelangt sein, die Sie hier sehen.

Davon geht nicht nur Ann Kersting-Meuleman aus, Leiterin der Sammlung Musik und Theater der Universitätsbibliothek, wo dieses Frankfurter Stück Beethoven inzwischen aufbewahrt wird. Dass Schindler 1864 in Bockenheim (heute: Frankfurt-Bockenheim) starb, spricht für die Echtheit des, nun ja, mausgrauen Haars.

Schon der noch lebende Komponist verschenkte wohl manche Strähne, wie es seinerzeit üblich war. Am Toten hielten sich die Trauergäste dann nicht zurück. Ein Zeitgenosse, Sohn von Beethovens Jugendfreund Stephan von Breuning, berichtete später: „Am 29. März (drei Tage nach B.s Tod am 26. März 1827), als ich mit meinem Vater in die Trauerwohnung hinüber ging und einige Haare Beethovens abschneiden wollte – Vater hatte mir dies erst gegen Ende der Aufbahrung tun zu dürfen zugestanden, um das Aussehen nicht früher zu verunstalten -, fanden wir, daß fremde Hände bereits alle abgeschnitten hatten.“ Der Respekt vor Leichen könnte entgegen eines anderen Grundeindrucks im Verlaufe der Jahrhunderte eher zugenommen haben. Aber warum erscheint uns Anton Schindler als Windei? Weil er als Sekretär, selbsternannter Freund und erster Biograf des Komponisten am Nachlass und B.-Bild tüchtig herumfälschte.

Mehr zu den Beethoven-Objekten, die sich in Frankfurt befinden, hoffentlich in Kürze, wenn auch eine virtuelle Ausstellung freigeschaltet werden soll. Mehr zu den Vorstellungen, die sich nachfolgende Generationen von Beethoven machten, schon auf diesen Seiten und auch in den nächsten Tagen. Beethoven wurde am 17. Dezember 1770 getauft und also wohl am 15. oder 16. vor 250 Jahren geboren. Gute Gründe, dass sich im FR-Feuilleton sicherheitshalber eine Woche lang nicht alles, aber vieles um Beethoven dreht.

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