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Christian Schlüter ist Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Rundschau.
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Christian Schlüter ist Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Rundschau.

Times Mager

Der Rockstar

  • VonChristian Schlüter
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Schon wieder ein Weckrufer: Thilo Sarrazin hat ein Buch geschrieben und muss es jetzt verkaufen. Die ersten Single-Auskopplungen sind schon in Bild und Spiegel zu beschauen.

Thilo Sarrazin hat ein Buch geschrieben und muss es jetzt verkaufen. Der amtierende Bundesbank-Vorstand und ehemalige Berliner Finanzsenator hat sich als einzig wahrer Rockstar der deutschen Sozialdemokratie einen Namen gemacht. Niemand singt so laut seine Krawallsongs, niemand füllt so leicht seine Konzerthallen. Nun will Sarrazin also wieder in die Charts kommen, mit „Deutschland schafft sich ab“, einem Buch, das Ende des Monats erscheint. Zur Einstimmung sind die ersten Single-Auskopplungen jetzt schon in Bild und Spiegel zu bestaunen.

Dieses Mal scheint Sarrazin allerdings sichergehen zu wollen. Seine Songs schließen nahtlos an den großen Herbsterfolg des letzten Jahres an, als er mit dem Lied „Neue kleine Kopftuchmädchen“ die Hitparaden im Sturm eroberte. Und so geht es wieder um die „muslimischen Migranten“. Die nämlich integrierten sich nicht nur unzureichend, sondern verursachten auch mehr Sozialkosten, als sie durch ordentliche Arbeit erwirtschafteten: „In den USA bekämen diese Migranten keinen müden Cent. Deshalb sind sie auch nicht dort, sondern in Deutschland.“

Die nutzen uns also voll aus und machen uns arm. Außerdem bekommen die immer mehr, wir aber immer weniger Kinder – wir sterben aus. Doch anstatt uns darüber aufzuregen, sorgten wir uns um das „Klima in 500 Jahren“ und nähmen ansonsten unseren Untergang einfach hin: „Manche mögen dies als gerechte Strafe empfinden für ein Volk, in dem einst SS-Männer gezeugt wurden.“ So singt sich der Krawall-Sozi allmählich in Rage. Selbstverständlich gibt er dabei wieder als Tabubruch aus, was längst an allen Stammtischen geschunkelt wird.

Neben diesem geschmackssicheren Gratis-Mut besticht aber vor allem, dass Sarrazin keine anderen Lösungen anbietet als die, die ohnehin gelten: Migranten sollen die Sprache und Kultur lernen, sie sollen sich an die Gesetze halten und, nun ja, sie sollen fleißig sein. Sarrazins Problem ist eigentlich, dass er seine Lärmerei für die Lösung hält und ihn die Mühen der Ebenen, wie es ein anderer Sozialdemokrat einmal genannt hat, bloß langweilen. Wieder einer dieser dutzendgesichtigen Weckrufer...

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