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Roboter

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Von: Judith von Sternburg

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Captcha: Da man ein Mensch ist, ist man ja offensichtlich kein Roboter.
Captcha: Da man ein Mensch ist, ist man ja offensichtlich kein Roboter. © Imago

Dem Internet zu versichern, dass man kein Roboter ist, geht einem meistens leicht von der Hand. Aber was wäre daran eigentlich so schlimm?

Einiges macht der Mensch fixer mit sich aus als anderes. Besonders rasch abgehakt ist erfahrungsgemäß die Aussage, kein Roboter zu sein. Merkwürdig, dass man das immer wieder versichern soll. Da man ein Mensch ist, ist man ja offensichtlich kein Roboter, selbst wenn es im Anschluss nicht immer leicht fällt, zum letzten Beweis dafür die Bilder mit den Zebrastreifen, Brücken, Strommasten zu identifizieren. Im zweiten Anlauf, Sonnenblumen, Lokomotiven, lustige Lemminge, klappt es fast immer. Wobei nach lustigen Lemmingen bei näherer Hinsicht nie gefragt wird, keine Ahnung, warum uns das hier eingefallen ist. Das geradezu auffallende Vermeiden von lustigen Lemmingen bei Roboter-Tests dürfte jedenfalls ein Hinweis darauf sein, dass es für Roboter zu einfach ist, lustige Lemminge zu identifizieren – für Menschen scheint es auf den unscharfen Fotos der entsprechenden Testkacheln nachgerade unmöglich zu sein. Ganz abgesehen davon: Was ist ein lustiger Lemming?

Roboter hingegen könnten sich auf diesem Wege auf die internen Seiten des Museums für frühe Buchdruckkunst schummeln und die großen Geheimnisse der Menschheit abkupfern, um sie sich und ihrer Sache nutzbar zu machen. Was auch immer ihre Sache ist. Wenn Roboter Bücher drucken könnten, nicht auszudenken, was für Schnapsideen da öffentlich würden.

Als die Kollegin kürzlich, geübt im Multitasking, sofort sämtliche Maisfelder erkannte und trotzdem das Gespräch fließend fortsetzte, kam die Überlegung auf, ob sich bei einer solchen Gelegenheit durch dauerhaften Misserfolg nicht auch herausstellen könnte, dass man selbst ein Roboter ist. Und ob das so schlimm wäre. Ich meine: Es klingt zunächst natürlich sehr einschneidend.

Während die Kollegin stoisch ein Maisfeld nach dem anderen wegklickte, blieb aber alsbald nicht mehr so viel Problematisches übrig. Man wäre Leben und Tod auf einen Schlag los, könnte sich aber trotzdem weiterhin auf dieser interessanten Erde tummeln und schauen, was die anderen so treiben. Man wäre nicht länger ein defizitäres Individuum, sondern eine unglaublich perfekte und handwerklich herausragend umgesetzte Erfindung. So gut gearbeitet, dass es einem nicht einmal selbst aufgefallen ist, und der Zahnärztin auch nicht. Der Zahnärztin erst recht nicht. Die wird sich wundern.

Oder nein, konsequentes Stillschweigen dürfte am Platze sein.

Abends in der Kneipe mit einem lustigen Lemming noch einmal alles durchgesprochen. Weiterhin kein Problem gesehen. Nachts dann fieberhaft und inspiriert an der Roman-Oktologie geschrieben.

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