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Roboameise

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Von: Sylvia Staude

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In fremden Städten verlaufe ich mich grundsätzlich, kann ich auch eine Roboterameise bekommen?
In fremden Städten verlaufe ich mich grundsätzlich, kann ich auch eine Roboterameise bekommen? © Imago

Bar-Roboter, die Ihre Drinks mixen und sie nicht anrempeln. Ameisen-Roboter, die echte Ameisen führen. Das muss der Fortschritt sein.

In einer kleinen Schlange zu stehen, um das erste oder zweite oder, egal, einfach noch ein Getränk zu bestellen, gehört nicht zu den Dingen, die man als sinnlos bezeichnen sollte. Man kann erstens seine Stimme ein wenig schonen, die erschöpft ist vom Anschreien gegen die Musik und alle anderen in der Kneipe. Man kann sich zweitens ein wenig hierhin und dorthin drehen und gucken. Wer wird es einem Menschen verdenken, der warten muss (aus sehr guten Gründen!), wenn er die Blicke schweifen lässt. Man hat drittens Zeit, seine Bestellung zu memorieren. Man kann viertens ausprobieren, ob man noch gerade stehen kann. Kann man es nicht mehr, sollte man so tun, als sei einem just eingefallen, dass man noch etwas anderes Tolles vorhat. Und nach Hause gehen.

„Unsere Technologie bedeutet, dass Sie nicht mehr an der Bar Schlange stehen müssen“, wirbt eine Firma für Service-Roboter für ihren neu entwickelten Barkeeper, ihre Barkeeperin (?). „Unser Bar-Roboter wird Bestellungen annehmen, Cocktails mixen und sie servieren. Es (!) kann sogar vermeiden, Ihre Gäste anzurempeln, wenn es im Raum Cocktails ausliefert. Mit eingebauter Gesichtserkennungstechnologie, die hilft, die Kunden zu identifizieren, ist das tatsächlich ein kleiner Blick in die Zukunft, da jeder unserer Roboter seine eigene, einzigartige Persönlichkeit hat.“ Auch für den Zimmerservice in Hotels könne der Bar-Roboter oder eine Roboterbedienung eingesetzt werden: „Gäste brauchen sich keine Sorgen um ihre Privatsphäre zu machen, wenn sie die Tür öffnen, um ihre Bestellung anzunehmen.“ Gesichtserkennung, Privatsphäre – suchen Sie den Fehler in dieser Kombination.

Dank eines winzigen Roboters, der Drinks mixt, weiß man jetzt auch alles über eine bestimmte Ameisenart, die unter Alkoholeinfluss sofort alles auszuplaudern beginnt. Okay, das ist gelogen. Aber man hat erforscht, wie diese Ameisen sich gegenseitig etwas beibringen, nämlich den Weg zu einem tollen neuen Ameisen-Mar-a-Lago. Sie tun es, indem erst eine Ameise (in dem Fall das Roboterchen) eine andere Ameise langsam dort hinführt, diese zurückläuft und ihrerseits eine Kollegin führt usw usf. Die jeweils den Weg neu Lernende sieht sich immer wieder sorgfältig um.

Der Mensch kann nun folgende Schlüsse daraus ziehen: ???

Zweitens: Cui bono?

Drittens: In fremden Städten verlaufe ich mich grundsätzlich, kann ich auch eine Roboterameise bekommen? Ein bisschen größer, wenn’s keine Mühe macht? Gern noch mit Cocktail-Mix- und Schuhputzfunktion. Und gern mit Gesichtserkennung, so dass ich schnell auf die andere Straßenseite wechseln kann, wenn Herr K. entgegenkommt.

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