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Auch Jean-Paul Sartre hat schon mal ganz gerne an der Zigarette gezogen - da gab's aber auch noch kein Rauchverbot.
Auch Jean-Paul Sartre hat schon mal ganz gerne an der Zigarette gezogen - da gab's aber auch noch kein Rauchverbot. © Imago

Klare Ansagen von Trainern und Kindern haben nicht immer die gewünschte Wirkung. Manchmal aber schon.

Kürzlich war im Fernsehen zu hören, was der Trainer der Handballmannschaft in der Auszeit sagte. Das heißt: Es war vermutlich der Trainer, es war vermutlich die Auszeit. Der Trainer sagte: Wir müssen aufholen, wir dürfen keine Gegentore mehr bekommen und stattdessen müsst ihr jetzt lauter Tore schießen, eins nach dem anderen.

Es funktionierte, die Mannschaft führte genau das aus, was der Trainer ihr gesagt hatte. Außenstehende stellen sich das trotzdem komplizierter vor, sowohl die taktischen Ansagen während der Auszeit als auch überhaupt das Geschäft des Trainers. Andererseits mag es in vielen Situationen tatsächlich wichtig sein, auch einmal ganz grundlegende Richtungsansagen zu machen, quasi eine gemeinsame Grundlage zu schaffen.

Der Vater erklärte, wie gut und sinnvoll bereits geregelt sei, dass der in wenigen Jahren einzuschulende Sohn dann auch den benachbarten Schülerladen werde besuchen können. Der kleine Sohn hörte den wohlgemuten Erwachsenen beim Planen seines Lebens zu, schwieg und sprach erst, als die Bekannte abgedreht hatte. Er sagte sinngemäß: Ich gehe auf keinen Fall in den Schülerladen.

Hier allerdings dürften die Erfolgsaussichten geringer sein. Es ist ein Problem, dass man im einstelligen Bereich an Lebensjahren nur minimale Möglichkeiten hat, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Spiele ich heute Playmobil oder Lego? Das geht natürlich beides. Trinke ich Kakao oder Mohrrübensaft? Schon hier werden die Erwachsenen ein Wörtchen mitreden, und wenn Erwachsene ein Wörtchen sagen, dann kann es eine Weile dauern.

Andererseits hätte man auch nicht unbedingt erwartet, dass ein Trainer zum Toreschießen, also Torewerfen auffordert und die Mannschaft daraufhin genau das tut. Vielleicht bleiben bei Mannschaftssportarten genau diese Fragen – warum sind wir hergekommen, was sollen wir hier machen, Trainer? – häufig zu lange offen. Oder werden nur im Vorabinterview im Fernsehen angesprochen. Wie wollen Sie heute gewinnen? Wir müssen Tore machen und dürfen keine Tore zulassen. Dann lachen die Zuschauer und feixen dumm rum, aber das sind eben nicht die richtigen Adressaten. Keine Sportler, sondern womöglich Eltern und schlimmstenfalls Leute, die sich sonst eher für Kultur interessieren.

Leute, die sich sonst eher für Kultur interessieren, sind ziemlich etepetete, wenn es um klare Richtungsansagen geht. Nicht umsonst hat die Frankfurter Romanfabrik zu den reichlich verteilten Rauchverbotschildern im Saal jeweils ein schönes Foto einer oder eines rauchenden Intellektuellen gehängt. Natürlich will keiner die Sprinkleranlage in Gang setzen, aber man bekommt sogar Lust auf eine Zigarette, wenn man im ganzen Leben noch keine geraucht hat.

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