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Richtig

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Von: Stephan Hebel

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Windräder bilden im Gegensatz zu Kohlekraftwerken eine grüne alternative um nachhaltig Energie zu erzeugen.
Windräder bilden im Gegensatz zu Kohlekraftwerken eine grüne Alternative um nachhaltig Energie zu erzeugen. © Friso Gentsch/dpa

Unbedingt ist es notwendig, jetzt das Richtige zu tun. Meint jedenfalls Bayerns Ministerpräsident Söder. Nur zu.

Vorab ist darauf hinzuweisen, dass es in Bayern keine Krisen gibt. Im Land von Sonne und Söder, wo selbst die Biere hell sind und die Weiden so satt, dass sogar die Gletscher dahinschmelzen vor Freude, kommt es allenfalls mal zu „Situationen“, aber die haben es dann auch in sich, denn sie sind „existenziell“. Was also tun?

Die Antwort: Am besten das Richtige. Ja, das wird Sie jetzt überraschen, und es ist ja auch tatsächlich eine bestechende Idee. Was kann man nicht alles falsch machen, wenn einem der Gedanke nicht kommt, das Richtige zu tun! Gerade in „Situationen“!

Exkurs: Erinnern Sie sich an Dicki? Das ist der Junge, der in der lustigen Weihnachtsgeschichte von Loriot ein Modell-Atomkraftwerk geschenkt bekommt. Das Ding explodiert bekanntlich und reißt ein Loch in den Boden, und Loriot hatte damit ein ziemlich prophetisches „Puff“ inszeniert, um nicht zu sagen, das Richtige getan, denn der Sketch kam 1978 ins Fernsehen, Jahre vor Tschernobyl, wo ja dann bekanntlich ein richtiges Atomkraftwerk in die Luft ging.

Jetzt ist 2022, und wir haben nicht nur in Bayern eine „existenzielle Situation“, so hat der dortige Ministerpräsident Markus Söder das ganze Welt-Schlamassel genannt. Und dann, Achtung: „In einer solch existenziellen Situation ist es notwendig, das Richtige zu tun.“ Wir sollten dankbar sein, dass jemand diesen Satz einfach so in der Zeitung zitiert hat, ohne gleich wieder zu meckern, so nach dem Motto, das sage ja nun genau der Richtige (!), die Idee komme dem Mann mit dem inneren Sicherheitsabstand zu Windrädern aller Art ein bisschen spät und so weiter.

Nein, das wäre nicht fair, ebenso wenig wie die Falschbehauptung, der Satz stamme in Wirklichkeit aus einer Politsatire von Loriot (nein, das tut er wirklich nicht). Auch Sie, liebe kritische Leserinnen und Leser, werden die Richtigkeit der Idee, das Richtige zu tun, nicht ernsthaft in Zweifel ziehen können, Söder hin oder her. Aber da wir gerade bei Windrädern waren, der Bayer hat auch gesagt, was das Richtige ist: Atomkraftwerke länger laufen lassen, das ist doch klar, 36 Jahre nach Tschernobyl und elf nach Fukushima.

Wenn Sie es immer noch nicht glauben, und wenn Sie jetzt behaupten, es sei etwas einäugig, auf alte Technologien statt auf neue Energien zu setzen, dann hätten wir hier für Sie einen anderen Markus, mit dessen Evangelium Ihnen Söder erwidern würde: „Es ist besser für dich, dass du einäugig in das Reich Gottes eingehst, als dass du zwei Augen hast und in das höllische Feuer geworfen wirst.“ Mit dem Feuer ist natürlich kein explodierender Reaktorkern gemeint.

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