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Times Mager

Revolution

  • VonChristian Schlüter
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Foucault hätte sich naiv der Hoffnung auf einen demokratischen Neubeginn in Iran hingegeben. So die Kritik 1978. Doch seine engagierte Prosa lässt ihn an seinem 25. Todestag vermissen. Von Christian Schlüter

Als der französische Philosoph Michel Foucault im Jahre 1978 den Iran besuchte, folgte er einer Einladung der italienischen Tageszeitung Corriere della Sera. Zweimal reiste er nach Teheran und berichtete über die politischen Ereignisse, die schließlich zur Rückkehr des Ajatollah Khomeini und zum Sturz des Schah führten. Dabei veröffentlichte Foucault allerdings nicht nur seine Erlebnisse, vielmehr enthielten seine Reportagen auch Wertungen. Dies führte zu heftigen Reaktionen, unter anderem warf man ihm vor, das religiös-fundamentalistische Regime Khomeinis unterstützt zu haben, obwohl sich dieses kaum von dem autokratisch-korrupten Vorgänger unterscheiden würde. Foucault hätte sich also vollkommen naiv der Hoffnung auf einen demokratischen Neubeginn in Iran hingegeben.

An diesen Vorbehalten ist einiges dran, wenngleich seine Zeitungstexte, liest man sie heute und mit dann doch größerer Nüchternheit als in den revolutionsseligen 1970ern, entschiedene Vorbehalte und Warnungen enthalten. Überhaupt scheint sich Foucault noch für etwas ganz anderes interessiert zu haben. Ihm ging es nämlich auch um eine Übung in politischer Schriftstellerei: "Das ist die Bedeutung, die wir diesen Reportagen geben wollen, in denen die Analyse dessen, was man denkt, mit der Analyse dessen, was geschieht, verbunden sein wird. An der Kreuzung von Ideen und Ereignissen werden Intellektuelle mit Journalisten zusammenarbeiten."

Im Ergebnis kam dabei eine erstaunlich engagierte, geradezu mitreißende Prosa zustande: "Wenn die Menschen im Iran von einer islamischen Regierung sprechen, sie diese unter der Drohung der Kugeln auf der Straße hinausschreien, wenn sie in ihrem Namen die Kompromisse der Parteien und Politiker zurückweisen, haben sie etwas anderes im Kopf als Allerweltsformeln… Meiner Meinung nach denken sie an eine Realität, die ihnen nahe ist, weil sie selbst in ihr die Akteure sind." Dergleichen darf man vor dem Hintergrund der jüngsten Ereignisse in Iran unvermindert aktuell nennen. Foucaults intellektuell-journalistische Ambitionen, Foucault, als Denker der Aktualität - eben daran ist heute zu erinnern und vor allem dies ist heute auch zu vermissen. Heute, an seinem 25. Todestag.

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