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Times Mager

Resilient

In Frankfurt trifft man sich zweimal. Von Judith von Sternburg

Vor einiger Zeit lärmte eine Berlinerin an einer Frankfurter Bahnstation, weil die Bahn auf sich warten ließ. Sind wir hier in Dummsdorf, rief die Berlinerin, und weil ihr das offenbar gut gefiel, rief sie es wieder und wieder, das heißt: Sie rief es die anderthalb Minuten lang, bis die Bahn eintraf. Dazwischen rief sie, sie sei aus Berlin. Die jüngeren Frankfurter starrten offenen Mundes zu ihr hin.

Die älteren Frankfurter vertieften sich in ihre Frankfurter Zeitungen. Vielleicht dachten sie: O ja, Berlin ist doch die Stadt, die tagaus tagein von enorm zuverlässigen, im Sekundentakt in die Stationen jagenden S-Bahnen durchfräst wird. Wahrscheinlicher ist, dass sie sich genierten für die aufgeregte Frau. Einige zogen ihre Kinder ans andere Ende des Bahnsteigs. Das half wenig. Frankfurter Bahnsteige sind nicht groß genug, um dem Zornesausbruch einer Berlinerin zu entkommen.

Aus drei Perspektiven lässt sich diese Szene im Rückblick besser erklären. Erstens durch die Lektüre des Textes "Berlin, Sommer 1922" von Alfred Polgar. "Alle Einwohner Berlins sind intensiv mit ihrer Beschäftigung beschäftigt." Zweitens durch die Lektüre eines Interviews, das die Suhrkamp-Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz der Berliner Zeitung gab (in Frankfurt notfalls bequem online nachzulesen): "Schon in den letzten Jahren von Siegfried Unseld war es nicht mehr leicht, qualifizierte Leute aus Städten wie Berlin, Hamburg, München dazu zu bewegen, in Frankfurt zu arbeiten."

Die Berliner, so Unseld-Berkéwicz Gershom Scholem zitierend, seien ein "resilienter Menschenschlag". Resilient, so Unseld-Berkéwicz, heiße so was wie widerborstig, widerständig. Wir hätten gedacht, resilient heiße so was wie elastisch, spannkräftig. Aber das ist zweifellos eine Frage der Qualifikation. Drittens durch ein Wiedersehen mit der Berlinerin kurz vor Weihnachten (in Frankfurt trifft man sich immer ein zweites Mal). Irren Blickes und im regen Selbstgespräch lief sie durch die Gassen.

Ist es ihr zum Verhängnis geworden, dass sie sich dazu bewegen ließ, in Frankfurt zu arbeiten? Hat ihre Resilienz - im Berkéwicz´schen Sinne - sie den Kopf gekostet? Glücklicherweise gibt es jetzt Alternativen.

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