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Er ist klein, graubraun und hat gerade einen Radweg von sechs Kilometern Länge verhindert: Der  Wachtelkönig trägt seinen Namen zu Recht.
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Er ist klein, graubraun und hat gerade einen Radweg von sechs Kilometern Länge verhindert: Der Wachtelkönig trägt seinen Namen zu Recht.

Times mager

Rerrp, Rerrp

  • Bernhard Honnigfort
    VonBernhard Honnigfort
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Wer ist der König im ganzen Tier-Land? Der Löwe? Der Elefant? Weit gefehlt.

Hat man jemals davon gehört, dass ein Löwe deutsche Verwaltungsgerichte beschäftigt? Oder ein Elefant die Mitarbeiter von Baubehörden in Angst und Schrecken versetzt? Eher selten, in Wahrheit sind beide auch gar nicht die Könige der Tiere.       Sie sind durchaus imposant, aber sie haben keine wirkliche Macht.

Der König der Tiere ist ein anderer, er ist klein, graubraun, er brüllt auch nicht herum, sondern lässt einen Ruf erklingen, der gar nicht klingt, sondern sich wie „rerrp-rerrp“ anhört. Er ist quasi ständig vor Gericht, und es soll Ingenieure, Bauplaner und Bürgermeister geben, die schlecht schlafen, sobald sie sein „rerrp-rerrp“ gehört haben.

Es geht um den Wachtelkönig, einen Rallenvogel, der vor allem den zweiten Teil seines Namens zu Recht trägt. Zwischen Neu Wulmstorf und Buxtehude, wo er lebt und brütet, hat er gerade einen Radweg von sechs Kilometern Länge verhindert. Dort gibt es ein mit ihm befreundetes Amt für regionale Landesentwicklung und das hat verkündet: „Wir können nicht ausschließen, dass die Radfahrer und Hunde negative Auswirkungen auf den Wachtelkönig haben.“ Dann hat es den geplanten Radweg verboten.

Die Macht des Königs

Man muss wissen, dass die Macht des Wachtelkönigs in Wahrheit auf seiner Schwäche gründet. Er ist bedroht, er steht auf der Roten Liste gefährdeter Arten ganz oben. Und das Gebiet zwischen Buxtehude und Neu Wulmstorf war eigens als Vogelschutzgebiet angelegt worden. Vor 20 Jahren wurden dort noch rund 20 Wachtelkönig-Paare gezählt, heute sind es angeblich zwei bis fünf. Nun ist es aber so, dass der geplante Radweg haargenau entlang der sechs Kilometer langen Bahnstrecke zwischen Buxtehude und Neu Wulmstorf verlaufen sollte. Außerdem wird die Autobahn 26 direkt am Brutgebiet entlang geplant, nicht zu vergessen: eine neue Bundesstraße führt dran vorbei. Und ausgerechnet Radfahrer stören den Wachtelkönig, Autos, Lastwagen, Busse und Züge nicht?, fragen sich Buxtehuder und Neu Wulmstorfer Radfahrer. Genau, Radfahrer stören, Autos, Laster, Busse und Züge nicht, sagt das Amt für regionale Landesentwicklung. Und zwar deshalb, weil sich ein Wachtelkönig an Autos und Züge gewöhnen kann, an Radfahrer aber nicht. Kommt ein Zug oder Auto, bleibt er sitzen, kommt ein Radfahrer, flüchtet er.

Die Sache ist aussichtslos. Es sei denn, Radfahrern gelingt es, mit einem scharfen „rerrp-rerrp“ den irritiert aus dem Gras blickenden Wachtelkönig für sich einzunehmen. Oder sie gucken wie ein Auto und hupen hin und wieder. Oder, ja, sie nehmen besser den vorbeidonnernden Zug.

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