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Times Mager

No relief

  • Harry Nutt
    VonHarry Nutt
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Er hat es wieder getan, Bob Dylan hat vor seinem Auftritt in Vietnam die Zensur seine Setlist absegnen lassen. Menschenrechtsaktivisten kritisieren ihn dafür, doch sind am Ende doch geheime Dylan-Botschaften überhört worden?

Bob Dylan hat es wieder getan. Wie bereits zu den Konzerten in Peking und Shanghai hat er auch vor seinem Auftritt in Ho-Chi-Minh-Stadt in Vietnam seine Setlist von staatlichen Behörden absegnen lassen, ehe er auf die Bühne ging.

Menschenrechtsaktivisten wie Brad Adams von Human Rights Watch kritisieren den 69 Jahre alten Song-and-Dance-Man nun dafür. Dylan habe eine historische Chance gehabt, so Adams, eine Botschaft des Friedens und der Freiheit zu überbringen. Stattdessen lasse er Zensoren seine Playlist auswählen. Wiederholt bemängelten Kritiker, dass „The times they are a-changin’“ auf der Strecke blieb. Tatsächlich hat Dylan den Song zuletzt am 14. August 2009 gespielt, in Fresno, Kalifornien. Das in 637 Dylan-Konzerten zur Aufführung gebrachte Stück gehört derzeit also nicht zu seinen Favoriten.

Frischer ist da „Gonna change my way of thinking“, das Dylan in Ho-Chi-Minh-Stadt erst zum 67. Mal spielte. Das Lied handelt von der christlich-religiösen Einkehr, die Dylan Ende der 70er Jahre öffentlich gemacht hatte. Nicht gerade zensurfest dürften darin die Zeilen sein: „Make myself a different set of rules/ Gonna put my good foot forward/ and stop being influenced by fools“.

Sind also geheime Dylan-Botschaften überhört worden? Immerhin soll er in Peking „Ballad of a thin man“ dahingehend verändert haben, dass ein ominöser Mr. Hu (oder Who?) mit von der Partie war. Viele Botschaften und noch mehr zu deuten.

Einfallsreicher als Brad Adams und andere, deren Glaube an poetische Parolen ungebrochen scheint, ist die Internet-Community, die über Dylans Auftritte in China diskutiert. Einer meinte, Dylan hätte „I shall be released“ singen sollen. Angehört hätte sich das dann wie „Ai shall be released“, Freiheit für Ai. Ob die Zensurbehörden das geahnt haben? Immerhin widmete Dylan sein Konzert in Ho-Chi-Minh-Stadt dem pazifistischen vietnamesischen Liedermacher Trinh Cong Son.

Am Ende dürfte der Zensur auch entgangen sein, dass es in der 1930. Wiederholung von „All along the watchtower“ heißt: „I can’t get no relief“. Keine Hilfe für Ai Weiwei. Aber ja doch: „There must be some way out of here.“

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