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Sehr schwierig: sich von Schokoeis ablenken zu lassen.
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Sehr schwierig: sich von Schokoeis ablenken zu lassen.

Times mager

Relativ

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Warten auf die Bahn: dauert grundsätzlich zu lang. Warten aufs Christkind: kommt aus Alter an – also nicht des Christkinds, sondern der Wartenden.

Soll man sich bei Kindern (erste Klasse Grundschule und jünger) jetzt schon erkundigen, was sie sich vom Christkind wünschen? Hatte man in diesem Alter nicht das Gefühl, auf Weihnachten müsse man noch mindestens dreieinhalb Jahre warten? Jedenfalls versuchten die Eltern, geplagt von stündlichen Wie-lange-noo-ooch-Fragen, diesen Eindruck zu erwecken: dauert noch ewig, frag mich frühestens in zwei Wochen wieder. Nein, das waren zwei Minuten.

Die Erwachsene fällt darauf schon eine ganze Weile nicht mehr herein, weiß sie doch aus Erfahrung: Sie wird gefühlt drei- bis maximal viermal schlafen, sich gefühlt zwei- bis dreimal vornehmen, heute (morgen, spätestens aber übermorgen) über Geschenke nachzudenken, wird sich umdrehen und schwupps: Da steht er bereits, der Heiligabend. Im besten Fall ist es der Tag vor Heiligabend. Die Erwachsene wird also in die Stadt fahren, die Fußgängerzone rauf- und wieder runterspazieren, vor Schaufenstern stehen – ach nee, nicht schon wieder Rasierwasser, Seidenschal, Feuchtigkeitscreme, Lederhandschuhe. Wer braucht heute noch Lederhandschuhe? Gegen welche Inhaltsstoffe war A. noch mal allergisch? Und welchen Duft konnte B. nicht ausstehen?

Ungünstiger Zusammenhang nämlich in fortgeschrittenem Alter: Die Zeit galoppiert, während das Gedächtnis langsam wird und irgendwann hoffnungslos hinterhertuckert. Das ist Bestandteil der sogenannten vorweihnachtlichen Relativitätstheorie, fragt eure Physiklehrerin, liebe Kinder – wenn sie alt genug ist, wird sie es euch bestätigen.

Das mit dem Warten ist allgemein so eine Sache, die erstens mit dem Alter des Wartenden zusammenhängt, zweitens mit dem, auf das gewartet wird. Warten auf die Bahn: dauert grundsätzlich zu lang. Warten auf die Zahnbehandlung: bei Schmerzen zu lang, ohne Beschwerden zu kurz. Warten auf die Nachspeise: wenn man noch Hunger hat, zu lang, wenn man eigentlich schon pappsatt ist, zu kurz. Relativ eben.

Forschende probierten den sogenannten Marshmallow-Test zur Impulskontrolle (ein M. gleich essen oder warten und dafür zwei M.s in 15 Minuten bekommen) kürzlich mit Sonnenblumenkernen und Walnüssen an Vögeln aus, an Aras und Graupapageien. Letztere warteten so lang (bis zu 50 Sekunden), dass sie die zuschauenden Menschen verblüfften. Am erfolgreichsten waren übrigens Tiere, die sich zwischendurch ablenkten. Leider erwähnt der Forschungsbericht nicht, womit. Sportschau? Netflix?

Zuletzt ein Tipp: Der Mensch kann sich mit dem Verfassen eines Textes davon ablenken, dass er im Tiefkühlfach doch noch dieses fantastische Schokoeis hat.

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